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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/gotthelf1870/0038
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DIE SCHRIFT UNO DIE TODESSTRAFE.

Sohn war! Doch selbst bei dieser Auffassung vom Tode Christi
würde durch ihn die Todesstrafe nicht bestätigt, sondern aufgehoben
, denn erstens wird der Schuldige, für den ein Stellvertreter
eintritt, für seine eigene Person von der Strafe frei, und
zweitens, stünde auf der Sünde des ganzen Menschengeschlechts,
die viel tausend Morde in sich schliesst, der einfache Tod, der
Tod Christi, wie dürfte da der einzelne Mord noch mit der
höchsten Strafe belegt werden, mit der Strafe, welche einst
die Sünde der ganzen Menschheit aufwog? So vermögen auch
die mit dem Tode Christi getriebenen frommen Spielereien vor
dem guten alten Rechte nicht zu bestehen.

Doch das waren nur die leichten Vortruppen unserer Gegner
, jetzt erst naht ihr Kern mit dem schweren Geschütz, der
Apostel Paulus mit seinem berühmten Wort Römer 15: 1—4:
(alle Obrigkeit von Gott verordnet — trägt das Schwert nicht umsonst
— ist eine Rächerin zur Strafe für den, der das Böse thut).
Nun könnten wir uns freilich darauf berufen, dass das Schwert
der Obrigkeit nicht gerade das Richtschwert zu sein brauche
, dass ja sonst nach Vers 4 nicht bloss der Mörder, sondern
aller und jeder Uebellliäter hingerichtet werden müsste, dass
vielmehr der Ausdruck Schwert, wie in: Schwert des Mundes,
Schwert des Geistes, ein Bild sei für alle schneidende und
zwingende Gewalt. Indessen machen wir von diesen Abschwä-
chungen von Pauli scharfem Wort keinen Gebrauch, geben vielmehr
ausdrücklich zu, dass er in die Schwertgewalt der Obrigkeit
ein ihr zustehendes Recht über Leben und Tod ihrer Un-
lerlhanen mit einbegreift. Ganz gewiss hat Paulus grad wie
Christus das Recht der Obrigkeit, auf Tod zu erkennen, gar
nie bestritten, nicht bezweifelt, überall vorausgesetzt. Und das
macht seiner christlichen Nüchternheit alle Ehre. Denn vergessen
wir es nie, er ist nicht etwa ein geistliches Mitglied einer
ersten Kammer, steht nicht hinter dem Schwert, die Hand an
seinen Griff, um es gegen Andere zu zücken, sondern er steht
mit den Seinen vor dem Schwert und unter dem Schwert,
und dennoch mahnt er diese, doch so sehr verfolgt und gequält,
zum Gehorsam nicht um der Menschen sondern um Gottes


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