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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/gotthelf1870/0048
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DIE KIRCHEiNGESCHTCHTE UNO DIE TODESSTRAFE.

Kleriker der verdienten Todesstrafe zu entziehen suchte. Aber
so mächtig wirkte auch jetzt noch die widersprechende Ueber-
lieferung, dass die Kirche selbst keinen Ketzer zum Tode ver-
urlheille, sondern ihn dem welllichen Arm übergab mit einer
Formel, aus deren Heuchelei das böse Gewissen hervorleuchtet
: »Wir übergeben dich der welllichen Gewalt, indem wir
sie bitten, dich mild und menschlich zu behandeln, mit dem
Tode oder Verstümmelung der Glieder dich verschonend!" Jetzt
gab der Staat über den aus der Kirche Hinausgestossenen sein
Urlheil ab: es lautete, nachdem wirklichen Willen der Kirche,
auf Tod durch Feuer. Wenn daher gegen das Ende des Mittelalters
hin auch auf welllichem Gebiet für das Strafrecht
schlimmere Zeiten eintraten und die Todesstrafe schon der
Abschreckung halber immer häufiger angewendet wurde, so lag
der Grund hievon nicht bloss darin, dass gleichzeitig die Rechtsprechung
immer mehr dem Volk und seinen Schöffen entzogen
und in die Hände ständiger Richter gelegt ward, sondern gewiss
ebensosehr auch darin, dass die Kirche durch ihren Durst
nach Ketzerblut ihre bisher auf Milderung weltlichen Gerichtes
verwendete moralische Macht selbst gebrochen hatte.

In diese Zustände hinein brachte die Reformation keine Besserung
, eher eine Verschlimmerung; denn dringender als je
bedurfte jetzt die Kirche des Staates, die protestantische Kirche
, damit er ihr die Reformation durchführen helfe, die katholische
, damit er sie zu Boden schlage. Doch mag die niedrige
katholische Geistlichkeit, die nicht wie viele ihrer Erz-
biscböfe und Bischöfe selbst wellliche Gerichtsbarkeit übte, nicht
wie jene als Landesherrn Bluturlheile ausfällen liess, noch
vielfach der Ueberlieferung ihrer Vergangenheit in Bezug auf
die Todesstrafe (reu geblieben sein, während der protestantische
Klerus mit vielen schlimmen Ueberlieferungen der allen
Mullerkirche auch diese gute hinter sich warf. Ebenso charakteristisch
für die Stellung der protestantischen Kirche zur Todesstrafe
wie verderblich für die Zukunft dieser Kirche sind
da die Aussprüche Luthers. Zwar gegen die Ketzertödlung erklärt
er sich auf's entschiedenste, darin eins mit Zwingli und


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