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DIE Kl RC.HENIJ ESC NICHTE UM) DIE TODESSTRAFE.

hervorzubringen. »Die Gesetzgeber haben an Roheit und Wildheit
mit den Missethätern gewelleifert, und gestehen wir es
nur, mehr als einmal sind sie in diesem entsetzlichen Ringkampf
Sieger geblieben" (Rossi). Selbst da, wo während dieser
Zeit, wie z. B. von Thoniasius, auf fllilderung der Strafen gedrungen
wird, führl der einzige Weg dazu durch die Unbe-
schränktheit des Fürsten hindurch: seine Machtvollkommenheit
darf selbst einen Mörder begnadigen.

Als vor hundert Jahren auch für das Strafrecht ein junger
goldener Morgen anbrach, da war es nicht die Kirche, die ihn
heraufführle, sondern der Humanismus. Für die Kirche selbst
begann ein neuer Tag der Schmach. Wohl haben sich von
ihren leuchtendsten Vertretern einzelne gegen die Todesstrafe
erhoben, allein sie schlugen sich in den Reihen der Humanisten
; sie vermochten weder die Kirchengewalten noch die Masse
ihrer Diener, noch die Kirchen selbst zu den Ueberlieferungen
der alten Kirche zurückzurufen. Die eigentliche Kirchlichkeit
stand immer zu den heftigsten Verlheidigern der Todeslrafe. Sie
sank noch tiefer: arm an eigenem Geist ist sie bei den Juristen
und den Philosophen um Beweise für die Todesstrafe betlein
gegangen, bei den Jurisien, welche, sei's aus Furcht, sei's aus
System an der Todesstrafe festhalten, und bei den Philosophen,
welche den gegenwärtigen Staat mit allen seinen Einrichtungen
so rechtfertigen wie die Jesuilen die Kirche: er ist vollkommen
grad so wie er ist, weil er so ist. Das sind die Bestandteile
, aus welchen die Theologie gegenwärtig ihre Beweise
für die Todesstrafe zum allergrösslen Theil mühsam zusammenflickt
8).

Und nun die Schlüsse aus unserer kirchengeschichtlichen
Betrachtung:

1. Die christliche Kirche, diesen Ausdruck hier in seinem
weitesten Sinn genommen, hat im Verlauf ihrer Geschichte
sehr verschieden über die Todesstrafe gedacht und sehr verschieden
sich zu ihr gestellt.

2. Die Stellung, welche die Vertreter der Kirche zur Todesstrafe
einnahmen, ward immer bestimmt nichl durch die theo-


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