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DIE KIRCH EiNGESCHICHTE UNI» DIE TODESSTRAFE.

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logische Richtung der Belreflenden, sondern durch das Ver-
hältniss, welches zwischen Slaal und Kirche zu ihrer Zeit wirklich
bestand oder nach ihrem Wunsche hätte bestehen sollen.

3. Wir haben in Folge dessen drei Standpunkte zu unterscheiden
:

o. Waren sei's die Kirche selbst, sei's eine Sekte in ihr,
völlig unabhängig vom Staat, standen die Glieder dieser Kirche
entweder vermöge ihrer bürgerlich untergeordneten Lage
oder aus religiösem Grundsatz dem staatlichen Leben und seinen
Anforderungen ferner, befanden sie sich wohl gar um ihrer
politischen oder religiösen Gefährlichkeit willen selbst vor oder
uuter dem Henkerschwert, so pflegten sie zumeist der Todesstrafe
alles Recht abzusprechen, das göttliche nicht allein, auch
alles menschliche Recht.

b. Gieng sodann die Kirche mit dem Staat auf dem Fuss der
Gleichberechtigung eine Verbindung ein, so blieb sie als Kirche
Gegnerin der Todesstrafe, räumte jedoch dem Staat ein, dass er
seinerseits und auf seinem Gebiet das Recht habe, auf Tod zu
erkennen. Sie setzte also das menschliche Recht der Todesstrafe
als unbestreitbar voraus, strebte aber, dieses menschliche
Recht auf Todesstrafe in seiner Anwendung durch das göttliche
Recht, das gegen sie gieng, zu beschränken.

c. Trat endlich die Kirche ganz in den Staat hinüber, wurde
sie eine Staatsanstalt, knüpfte sie ihr Dasein völlig an dasjenige
des Staates, begann ihr vor dessen Untergang als ihrem eigenen
bange zu werden, dann suchte sie mit andern Schutzmitteln
des Staates auch die Todesstrafe dadurch zu ihrer grösst-
möglichen Stärke und Wirksamkeil zu erheben, dass sie dieselbe
, welche bisher bloss menschlichen Rechtes gewesen war,
mit dem Schein auch des göttlichen Rechtes überkleidete. Der
Staat ward Gott auf Erden.

4. Fragen wir: warum aber war die Kirche um so kühner
gegen die Todesstrafe gestimmt, je freier vom Staat sie sich
wusste, warum um so eifriger für dieselbe, je fester sie sich
an den Staat gebunden fühlte? — so lautet die Antwort: das
(hat dort das Vertrauen auf ihre äussere Stärke oder innere


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