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44 DIE THEOLOGISCHE SPEKULATION UND DIE TODESSTRAFE.

Kraft, das that hier das Misstrauen in sich selbst und ihre
Sache. Das Selbstvertrauen der Kirche hatte verschiedene Quellen
. Der mittelalterlich katholischen floss es aus ihrer gewaltigen
Organisation und ihrer Macht über die Gewissen; den
Sekten und freien Kirchen strömt es noch viel voller aus ihrem
Glauben an die wellüberwindende, jedes Menschenherz bezwingende
Kraft der von ihnen verkündigten Wahrheit und aus
ihrer Liebe zu dem einzelnen Menschen, für deren Auge ein
Menschenleben grossen, eine Menschenseele unendlichen Werth
hat, jeder Mensch besserungsfähig, keiner verloren zu geben ist.

5. In unserer Frage steht eine Meinungsänderuttg der gegenwärtigen
Kirche im Grossen und Ganzen nur dann zu erwarten
, wenn sie zum Staat in ein neues Verhällniss tritt,
wenn sie wieder die freie Kirche wird, die sie einst gewesen
ist und immer hätte bleiben sollen. So lange sie selbst noch
hinter dem Schwerte steht und ihre Hand an dessen Griffe
hält, wird kein Beweisgrund sie zu überzeugen vermögen, dass
die Todesstrafe nicht göttlichen Rechtes sei. Ist diess einmal
nicht mehr der Fall, so wird kein Mensch von solchem göttlichen
Recht der Todesstrafe mehr reden. War für dieselbe
Kirche nicht einslmal auch die Tortur, die Hexenverbrennung,
die qualificirle Todesstrafe göttlichen Rechtes? Und jetzt?

CAPITEL HI.

Was sagt die theologische Spekulation zur TodesstrafeP

Wir haben hier zuerst einen Irrthum zu beseitigen, welcher
zu vielem unnützen Wortgefecht die hüben und drüben nicht
unerwünschte Veranlassung geboten hat. Dieser Irrlhum ist die
Meinung, es übe die Vorstellung, die ein Mensoh vom Jenseits
hege, auf sein Urtheil für oder gegen die Todesstrafe einen
wesentlichen Einfluss aus, bestimme wohl gar dieses Urtheil. Es


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