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DIE THEOLUGISCHE SPEKULATION USÜ DIE TODESSTRAFE 57

hat längst schon, ehe das Urtheil gesprochen war, bereut und
Frieden gefunden.

So entspricht die Todesstrafe den Anforderungen, welche der
Moralist an die Strafe stellt, damit sie eine gerechte sei, in
keinem Punkt: sie ist nicht sicher treffend, nicht innerlich
nothwendig, sie dringt nicht bis zur Sünde selbst hinein; sie
ist mit einem Wort keine angemessene Vergeltung des Mordes.
Der Moralist sieht sich daher genöthigt, einen Schritt zurück-
zuthun, um einen allgemeinen Zusammenhang, immerhin noch
einen Zusammenhang, zwischen Mord und Todesstrafe aufzufinden
. Er wird deshalb sagen: Mord ist die grösste Sünde, Tod
die höchste Strafe, also muss Mord mit Tod bestraft werden.

Zugegeben das grössle Verbrechen sei mit der höchsten Strafe
zu belegen, ist diese höchste Strafe gerade die Todesstrafe ? Ist
diese überhaupt eine Strafe? Schneidet sie nicht vielmehr das
Gericht und die Vergeltung, welche Gott über das ganze natürliche
Menschenleben zu vertheilen pflegt, mitten entzwei, macht
sie nicht die für den Moralisten erhabenste Strafwirkung, die
innere Ausgleichung des Sünderherzens mit der Gerechtigkeit,
dessen freiwillige Unterwerfung unter das Gesetz in gar vielen
Fällen geradezu unmöglich ? Doch sei Todesstrafe eine Strafe,
ist unsere moderne Todesstrafe denn auch die höchste Strafe?
Sie war es nicht zu allen Zeilen ; über ihr stand früher die
qualifizirte Todesstrafe und die mit andern Strafen z. B. Vermögenseinziehung
verbundene Todesstrafe. Kann das Strafmass
nicht ebenso gut, als es von der qualih'zirlen und der mit
andern Strafen combinirten Todesstrafe bereits zur einfachen
herabgesunken ist, noch um einen, zwei, drei Grade tiefer herabsinken
, ist nicht dieser Begriff »höchste Strafe" ein sehr
relativer, durch Ort, Zeit, Volkssitte bedingter und jedenfalls
im Gebiete der menschlichen Willkür gelegener? Doch gesetzt,
unsere Todesstrafe verbleibe immerdar auf der obersten Sprosse
der Strafskala, ist sie denn auch wirklich für Alle die höchste
Strafe, nicht vielmehr für den Einen oder Andern, meist gar
nicht aus moralischen Gründen, eine Erlösung, eine Wohllhat?
Doch es ist wahr, das sind blosse Ausnahmen; gewis würden


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