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DIE THEOLOGISCHE SPEKULATION UND DIE TODESSTRAFE. 61

dem gegeben, an sich selbst leidet. Bis auf einige neapolitanische
Priester ist man allgemein darüber einverstanden, dass
der Verbrecher durch ein blosses passives, vielleicht sogar widerwilliges
Erdulden der Todesstrafe seine That noch nicht sühnt,
sondern dass er, um sie zu sühnen, die Gerechtigkeit der ihn
treffenden Todesstrafe anerkennen, sich ihr willig unterwerfen,
vielleicht sogar danach als einzig völliger Busse verlangen muss.

Gründet man die Rechtmässigkeit der Todesstrafe auf die
Nothwendigkeit einer inneren Sühne, so folgt, da nur bereuende
Verbrecher diese Sühne bringen können, dass nur bereuende
Verbrecher hingerichtet werden dürfen, nicht bereuende dagegen
so lange in der Schwebe zwischen Leben und Tod erhalten
und bearbeitet werden, bis sie entweder bereuen oder dem
Richter der Geduldfaden reisst, welch letztem Fall Mittermaier
sich in Rom mit ansah. Allerdings hat nach Daub's treffendem
Ausdruck eine an einem verstockten Verbrecher vollzogene Hinrichtung
immer etwas von einer Ermordung an sich; will
man jedoch die Hinrichtung der bereuenden, die Verschonung
der nicht bereuenden Verbrecher folgerichtig durchführen, so
belegt man die bessern Verbrecher mit härtern Strafen, als die
viel gründlicher verdorbenen, privilegirt recht eigentlich die
Verstocktheit grad so wie früher an vielen Orten das Läugnen.
Doch bleiben wir bei den bereuenden Verbrechern stehen.
Sühnen diese wirklich ihre Unthat durch das blosse Erdulden
eines unvermeidlichen Uebels, ist wahre Sühne denkbar ohne
freiwillig übernommenes Opfer? Um eine solche volle Sühne
zu Stande zu bringen, müsste man also den Verbrecher zwischen
Tod und Straf haft selber wählen lassen. Allein würde er
erstem vorziehen, so wäre das ja ein Selbstmord und daher
unstatthaft und böte, auch gestattet, nicht einmal genügende
Bürgschaft, dass der Verurtheille, um seine Schuld zu sühnen
und nicht vielmehr aus ganz andern Gründen, den Tod erwähle
; die viel grössere Wahrscheinlichkeit spräche für Nebenabsichten
.

Denn begeben wir uns auf den Boden der Erfahrung. Wohl
hat die unvermeidlich bevorstehende Hinrichtung nicht selten


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