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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/gute_bote_1908/0019
Heumonat hat 31 Tage.

Schreibkalender.

Sparenichts und Habenichts wohnen
unter einem Dache.

Landwirt chaftlicher Kalender.

Im Heumonat ſammelt man Samen von Kohlrüben,
Bohnen, Erbſen, Körbelkraut, Spinat, Rettigen, Rote⸗
ranen, Peterſilien, Selleri, Lauch, Zwiebeln, Skorzo⸗
neren u. ſ. w.; verſetzt Salat, nimmt die Zwiebeln aus;
ſteckt allenfalls noch in den erſten Tagen die letzten
Bohnen zum Einmachen für den Winter, ſäet für den
Frühling Winterzwiebeln, Winterſalat, Winterkohl, Spi⸗
nat (Grünkraut). Auch pflanzt man die Panpiernte des
Kappiskrauts, bindet den Salat und die Endivien, häu⸗

felt den Selleri und die Gurken, und gibt dieſen zur

Zeit der Reife nur wenig Waſſer. Man okuliert mor⸗
gens und abends an trüben Tagen. Wenn die Wieſen
abgemähet ſind, muß man die Bewäſſerung wieder ein⸗
richten und ſie bis zum Grummet⸗Mähen unterhalten.

Bauernregeln.

Was Juli und Auguſt nicht kochen, Das kann der
September nicht braten. — Wie die Maria über das
Gebirge geht (2), So geht ſie wieder herüber. Regnet
es am Mariä⸗Heimſuchungstage, ſo ſolls — wenn's
zutrifft — 30 Tage lang fortregnen. — Regen am
Margaretentag (13) verderbt die Nüſſe. — Hundstage
hell und klar, Bringen her ein gutes Jahr.

Hundertjähriger Kalender.

Am 1. und 2. Nebel, vom 3. bis 6. Regen und warm,
vom 7. bis 14. windig, den 15. Gewitter und Regen, dann
ſchön bis zu Ende.

Ein Schneider.
Der Schneider, den ich im Sinne habe, iſt ein ganz
einfacher Schneider. Er hat nicht viele Offiziere über⸗
wintert wie der Schneider in Penſa, von welchem Hebel

erzählt, und welcher im Jahre 1812 ſechzehn Offiziere

eigentlich gerettet hat. Mein Schneider, wie geſagt, iſt
ganz anſpruchslos und hat, ſoviel ich weiß, nur einen
gerettet. Er hat keine Maſchinen geführt, er hat nur
eine Träne geweint, und dieſe eine Träne hat's getan.
Was denn getan? Nun, er ſaß, es war im vorigen
Jahrhundert, in Schleſien in ſeiner Werkſtatt. Wie er

ſo ſitzt und näht, ſo klopft's an und kommt ein Israelitt;,

ein junger Student, herein und will einen Anzug ange⸗
meſſen haben. Gut! Mein lieber Schneider grüßt,
nimmt's Maß und die große Schere zur Hand und
fängt an. Aber wie er den ſtattlichen, jungen Mann ſo
anſieht, ſo kommt dem ronmen Meiſter der Gedanke:
Ach, in dem ſchönen Leibe iſt doch keine Seele mit Troſt
und Freude und rechter Zuverſicht im Leben und im
Sterben! Und der gute Schneider weiß nicht, was ihm
ankommt, es wird ihm ſo eigen zu Mute, ſo ganz weh⸗
mütig. Und ehe er ſich's verſieht, hat er eine Träne im
Auge, und ſo nimmt er das Maß.
„Nun, Meiſter, was habt ihr?“ fragte der Student.
„Lieber Herr“, ſagte der Schneider, „nehmt's nicht
übel! aber wie ich euch da ſo anſah, ſo tat's mir ſo


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