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Herbſtmonat hat 30 CTage.
Schreiblkalender.
Im Aufheben mehren ſich die Brocken.
Landwirxtſchaftlicher Kalender.
Im Herbſtmonat zu Anfang kann man noch Krautkohl
und Kohlrüben ſetzen, die im Frühling verſetzt werden
ſollen. Auch ſäet man Spinat, Peterſilien, Zwiebeln,
gelbe Rüben, Salat, Rettig, Kreſſe; ſetzt Erbſen, alles
an warme Plätze. Man verſetzt ferner an warme Orte,
wie im Auguſt, und zwar den Salat enge, weil im
Winter viel davon verdirbt; das übrige wird im Früh⸗
jahr umgeſetzt. Verſetze an wohlgelegene Orte die im
vorigen Monat geſäeten Pflanzen. Häufle die Erde auf
um den Blumenkohl und andere Gemüspflanzen. Winter⸗
endivien werden gebunden, abgeſchnitten, die Wurzeln
aber läßt man ſtehen, die dann wieder Blätter treiben.
Binde auch die Selleri auf. In dieſem Monat begießt
man wieder des Morgens. Man macht Ende dieſes und
im kommenden Monat die Kartoffeln aus. Befahre und
dünge die Felder, darauf du Winterſaat bauen willſt.
Säe Winterroggen (am beſten nach Mengfutter), Mang⸗
korn, Winterweizen.
Bauernregeln.
Wie die Witterung im September iſt, ſo iſt ſie den
nächſten März. — Für Saat und Reben iſt Regen Dem
Bauer und Winzer gelegen. — Das Wetter von Sankt
Egidi (1) Soll bleiben bis Sankt Micheli (29). —
Mariä Geburt (8) Ziehen die Schwalben furt. — Sind
um Micheli (29) die Vögel noch da, Iſt der Winter
noch nicht ſo nah. — So viel Tag' es vor Michaelis
reift, ſo viel wird es nach Sankt Georg Froſt geben.
— Micheli⸗Wein Herren⸗Wein; Sankt Gallenwein
(16. Oktober) Bauern⸗Wein.
Hundertjähriger Kalender.
Vom 1. bis 6. ſchön und warm, 7. bis 9. trübe und kalt,
13. bis 16. ſchön, 17. unbeſtändig, 18. Regen, 19. bis 21.
ſchön, dann bis zu Ende trübe und regneriſch.
Park ſeines Schloſſes in Fiume, als ein Touriſt ihn
anredete und fragte, ob man wohl das Schloß beſichtigen
dürfe. Der Erzherzog bejahte nicht nur die Frage,
ſondern ſtellte ſich dem Fremden als Führer zur Ver⸗
fügung. Er geleitete ihn durch ſämtliche Gemächer und
gab überall die nötigen Erklärungen. Der Touriſt war
mit dem liebenswürdigen Führer ſo zufrieden, daß er
ihm, den er für einen der Schloßgärtner hielt, beim
Abſchied freundlich auf den Rücken klopfte und ihm
einen Gulden in die Hand drückte. Der Erzherzog ſteckte
die Münze dankend ein und ließ ſie ſpäter faſſen und
einrahmen mit der Unterſchrift: „Dies iſt das einzige
Geld, das ich in meinem Leben verdient habe.“
Von unſerm Kaiſer wird auch eine amuſante kleine
Geſchichte erzählt, die ſich kurz vor ſeiner Thronbeſtei⸗
gung zugetragen haben ſoll. Der Kronprinz ging allein
durch die Königgrätzerſtraße, als ein Fremder ihn auf
engliſch anredete und nach dem Potsdamer Bahnhof
fragte. Zu ſeinem Erſtaunen erhielt der Fragende eine
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