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fenster man immer dieselbe Gestalt, immer
dummen, gutmütigen Gesichtszügen, das bald
sppazieren geht mit einem plumpen Regen-
Junge durchhaut, bald als Krämer am Syrup-
faß steht. Das sollte den König Ludwig-
Philipp darstellen, und so ehrten die Franzo-
erhoben hatten! Wenn er ein bischen weniger
gutmütig gewesen wäre, hätten sie ihn mehr
der Holzklotz, den sie als König hatten, war
ihnen zu ruhig, - so bekamen sie den
Storchen zum Oberhaupt, der brachte Leben
iwn" die Gesellschaft. Besonders seit der Thron-
folger in so schrecklicher Weise um das Leben
gekommen war, wie der Bote es vorig Jahr
erzählt hat, ging es mit der Popularität des
Königs rasch abwärts. Dazu kam ein anderer
andern Ländern, gibt es für jede Stelle, vom
Minister bis herab zum Flurschütz oder Bann-
wart, drei Personen: der eine, der die Stelle
odder das Plätzchen inne hat, der andere, der
es einmal gehabt und ungern verloren hat,
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1. Wie das aus der Revolution geborene Königtum
bald wieder von der Revolution verschlungen wurde.
ser Kalendermann ist an einen
Abschnitt unserer Geschichte an-
Sygelangt, wo er bereits etwas
☛r Bvon eigenen Erlebnissen zum
Aesien geben kann. Und so
erinnert er sich, wie er als
Bübchen zuweilen auf dem
Ne. Alten Fischmarkt vor einem
Bilderladen stehen blieb, an dessen Schau-
in anderer Weise sehen konnte, nämlich
ein Männlein mit birnförmigem Kopf und
schirm unter dem Arm, bald als Schulmeister
sen den Mann, den sie selber auf den Thron
geschätzt, gerade wie die Frösche in der Fabel:
Umstand. In Frankreich, wie in manchen
und der dritte, der es gern haben möchte.
Allerlei zur Belehrung und Anterhaltung.
Vaterländische Geschichte.
So hatte die Juliregierung zweierlei
Gegner, auf der einen Seite die Legiti-
misten, die in dem Grafen von Cham-
bord, dem Enkel Karl X., den rechtmäßigen
König sahen, und die Klerikalen, die, weil
die römische Kirche nicht mehr herrschte, wie†
vor 1830, jammerten und schimpften, sie sei
geknechtet, auf der andern Seite die Demo-.
kraten und Radikalen, die für die Republik
schwärmten, die Bonapartisten, die die
glorreiche Zeit nicht vergessen konnten, wo
Napoleon mit dem Kriegspflug durch Europa
zog, und die Kommunisten, die den Reichen
gern zugerufen hätten: Platz da! jetzt setzen
wir uns an eure Stelle! Ein Mißstand, über
den mit Recht geklagt wurde, war es, daß
damals nur die Hochbesteuerten Wahlrecht
hatten; wer nicht zum mindesten 125 Fränk- -
lein Grundsteuer zahlte, hatte keine Stimme
und galt nichts, und da die Reichen meistenss
keinen heißeren Wunsch haben, als noch reicher
zu werden, so kam es bei Wahlen oft vor, daß
die Wahlmänner ihre Stimme der Regierung
schamlos verkauften. "Wer gut schmiert, fährt
gut", sagt das Sprichwort. Diesmal aber fuhr
der Wagen glanzvoll in den Abgrund. - Zu-
guter Letzt fiel das Jahr 1846 schlimm aus,
zwar nicht was den Herbst betrifft, der 46er
reichte dem 34er die Hand, aber die Ernte
mißriet. Die Regierung ließ viele Schiffs-
ladungen Weizen aus AÄgypten kommen, aber
es gab damals noch keine Eisenbahnen, der
Transport war teuer und die Kornwucherer
verstanden sich darauf ihn zurückzuhalten.
Im Sommer 1847 machte sich die Unzu-
friedenheit Luft auf den sogenannten Reform--
banketten, die zuerst in Paris und dan
hie und da im ganzen Land stattfanden, in
Straßburg am 5. September, in der schön-.
verzierten alten Kornhalle. Über 700 Bürger
waren da an sieben großen Tischen versam --
melt, aßen und tranken und hörten Reden
von Lichtenberger, Gloxin, Boersch (das
Wenn die beiden letzten sich verbünden, gibt
es unfehlbar Revolution.
waren damals die großen Männer) und unter-
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