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es gleich auch zu diesen schönen Dingen komme.
Glaube mir, lieber Leser, es geht in jeder
Republik so: die, welche den größten Appetit und
die kräftigsten Ellenbogen haben, die kommen
voran und setzen sich vor den Butterteller,
die andern haben das Zusehen, und "wenn
der Bauer auf’s Pferd kommt, so reitet er
stärker als der Edelmann", sagt das Sprich-
wort; wenn einer von unten herauf an's Ruder
gelangt ist, so spielt er den Herrn mehr als
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hohe Wellen. Da wurde das Fest der Ver-
einigung des Elsasses mit Frankreich
durch den Westphälischen Frieden gefeiert.
Von allen Seiten kamen Deputationen nach
Straßburg, drei Tage dauerte das Fest, man
kann sich denken, was da getrunken wurde.
Es fand auch ein großer Festzug statt, mit
Musik und Glockengeläute, der sich vom
Stadthaus zum Broglie begab, da wurde der
Grundstein zu einem Denkmal gelegt, von dem
Grundsteinlegung des Denkmals zur Erinnerung an die Vereinigung des Elsasses mit Frankreich
(22. Oktober 1848).
irgend einer, er kennt die kaum mehr, die ihm
mit ihren Köpfen als Steigbügel gedient hatten.
Die beste Bürgschaft für das Gedeihen eines
Gemeinwesens und das Wohlergehen der
Bürger bietet doch noch immer derjenige,
dessen Wohl und Weh unzertrennlich mit dem
Staate verbunden ist, nämlich der ange-
stammte, rechtmäßige Fürst, in unserm Fall,
unser verehrter Kaiser und Herr.
Am 22. Oktober schlug noch einmal die
patriotisch-republikanische Begeisterung himmel-
der Bürgermeister (es war jetzt H. Ed. Kratz,
der spätere Präsident des Direktoriums) in
seiner Rede sagte, es werde noch späteren
Geschlechtern die Größe und Herrlichkeit der
französischen Republik verkündigen. Der Ka-
lendermann war auch im Zug und hat in der
Meisengasse kräftig die Marseillaise mitge-
sungen. Hoffentlich wird er darum nicht noch
in seinen alten Tagen gerichtlich belangt.
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