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dem Geſchrei verfolgt: Es lebe die Republik!
Es lebe die Verfaſſung! Einmal ums andere
fragte er bekümmert: Was haben denn die
Leute, daß ſie ſo ſchreien? Auch in Straß⸗
burg war der Empfang ein kühler; der
Gemeinderat hatte dafür keinen Groſchen be⸗
willigt. Doch fehlte es nicht an Rufen: Es
lebe der Kaiſer! Das war ein kleiner Troſt
und eine Entſchädigung für die gepfefferte
Rechnung, die ihm der Gaſtwirt der Stadt
HDM Paris zum Abſchied vorlegte.
Energiſch, umſichtig und bedächtig ging
Napoleon auf ſein Ziel zu. Im Januar 1851
umgab er ſich mit ihm ergebenen Miniſtern,
— ebenſo wurden die hohen Stellen im Lande
ſeinen Freunden in die Hand geſpielt, — die
Nationalgarde wurde aufgelöſt, — das war
den Straßburgern ein Stich ins Herz! Der
Bürgermeiſter Kratz gab, im Arger darüber,
ſeine Demiſſion, — dann wurde dafür geſorgt,
daß aus dem ganzen Lande Bittſchriften ein⸗
liefen, dahin lautend, die Kammer möge die
Verfaſſung ändern und den Präſidenten, deſſen
Regierung noch in dieſem Jahre zu Ende
gehen ſollte, dem Land erhalten. Da die
Kammer ſich nicht dazu verſtehen wollte, machte
der Napoleon kurzen Prozeß. In der Nacht
vom l1. auf 2. Dezember wurden die vor⸗
nehmſten ſeiner Gegner aus dem Bett geholt
unnd in aller Stille in Nummer Sicher gebracht,
unnd am folgenden Tage erfuhr das erſtaunte
Land, der Präſident habe auf eigene Fauſt
die Nationalverſammlung aufgelöſt und eine
neue Konſtitution gemacht, die ihn auf 10
Jahre zum allmächtigen Oberhaupt der Re⸗
gierung machte. Auf das Heer konnte Napoleon
zäählen, die Generäle waren alle gewonnen, ſo
wBurden denn die paar armen Republikaner, die
in den Straßen von Paris einen Verſuch machten
das Volk gegen dieſen unerhörten Gewalltſtreich
aufzuwiegeln, erbarmungslos niedergeknallt.
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Auch in Straßburg wurden eine Anzahl
von Freiheitsfreunden gepäckelt und einge.
ſperrt, z. B. der Futteralmacher Piton,
Advokat Beyer, Wachsfabrikant Zabern..
Später wurden die meiſten kurzerhand nach
Algerien geſchafft, wo ſie Zeit hatten über
die Eitelkeit republikaniſcher Ideale nachzu.—
denken. Bei der Abſtimmung, die in den Tagen
vom 14.— 21. Dezember im ganzen Lande
ſtattfand, führte der Schrecken und die Ber⸗
blüffung den meiſten Wählern die Hand. Uber
7 ½ Millionen Bürger ſagten Ja zum
Staatsſtreich, auch im Elſaß wagten nur
wenige Tauſend mit Nein zu ſtimmen. So
wurde Napoleon am 14. Januar 1852 für
10 Jahre zum Präſidenten ernannt. Zum
Kaiſertum fehlte nur noch der Name und der
ſollte nicht lang ausbleiben. ,
Und nun, einſichtsvoller Leſer, denke dir,
es kommt einer zu dir und nimmt den Mund
voll von Volksfreiheit und Volksherrſchaft,
und wärmt den alten Blödſinn auf, daß des
Volkes Stimme Gottes Stimme, des Volkes
Wille Gottes Wille ſei, dem halte in aller
Beſcheidenheit vor, daß vor 56 Jahren ein
aufgeklärtes, freies Volk von ſeinem Wahl⸗
recht dieſen Gebrauch gemacht hat, und nicht
einmal ſondern vielmal, zuletzt noch wenige—
Monate vor dem Tag, an dem der Erwählte—
das Volk wie eine Schafherde ins Verderben
führte. Und wenn er erwidert: So war es
damals, heute wäre es anders! ſo antworte
getroſt: Es würde in Frankreich heute gerade—
wieder ſo ausfallen, und es wird ſo ausfallen,
kommt erſt der rechte Mann, der es verſteht,
wie jener, den Leuten Sand in die Augen
zu ſtreuen. Und bei uns würde es um kein
Haar beſſer gehn, wenn wir, was Gott gnädig
verhüte, je in die Lage kämen uns eine Re⸗
gierung zu wählen.
Rätſel.
Was den Fürſten ziert und ſeine Regierung,
. Was der Feldherr braucht für des Heeres Führung,
Was ein Mann und Held am höchſten hält,
Das kauf' ich beim Krämer für wenig Geld.
Bibeln und Teſtamente für Jedermann
in verſchiedenen Sprachen für Schul und Haus zu den billigſten Preiſen. 7
Daniel Nußbaum, Bibel⸗Kolporter
Straßburg i. Elſ., Niklausgaſſe 18.
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