http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/gute_bote_1908/0044
ſtteoff, das feinſte und herrlichſte was man ſich
vorſtellen kann, und nur 2 ℳ 95 das Meter!
eiin Spottgeld! Nun weißt du, wie lang ich
ſchhon darüber ſeufze, daß unſere Vorhänge
“ Gelegenheit, ſie zu erneuern! 2 ℳ 95 das
Meeter! Wenn nur nicht alles verkauft iſt bis
ich komme!“
brauchſt du?“
4 29 ℳ 50! Meinſt du, wir können das jetzt
wagen, wo wir ſonſt ſchon ſo viele Ausgaben
Bedenke doch: 2 ℳ 95 das Meter, — das
iſt ja gar nichts!“
ſiſt viel, ſehr viel!“
wenn ſie zuletzt auf den vorteilhaften Einkauf
verzichtet, ſo tut ſie es mit der Miene eines
Vor vielen, vielen Jahren genoß ich einmal
inm Schwarzwald drü
eines lieben Pfarrhauſes. Es war Abend, wir
wird dem Mann alles abgeſprochen und die
einfachſte Tatſache umgeſtoßen, weiß wird
ſchwarz und ſchwarz wird weiß. Ein ver⸗
ſtände recht gibt, wenn er recht hat, und ihr
Urnrecht zugeſteht, wenn ſie unrecht hat, ohne
empfinden.
ſich nicht auf Geſchäfte verſteht.
Unrd nun weiß der Leſer, wem wir zweitens
das Lob eines vernünftigen Weibes zukommen
laſſen: einer Frau, die rechnen kann und ihre
Wiürnſche nach dem Beutel bemißt.
“ ſammen, da ließ plötzlich der kleine erſtgebo⸗
nünftig Weib dagegen iſt eine Frau, die mit
ſich reden läßt, die dem Mann ohne Um⸗
das im Geringſten als eine Demütigung zu
Anderes Bild. Da kommt eine junge Frau
mit gerötetem Angeſicht, atemlos nach Hauſe.
„Denke dir, lieber Mann, was ich eben an
einem Schaufenſter geſehen habe! Gardinen⸗
gar nicht mehr modiſch ſind. Welche herrliche
„Schön, liebe Frau! Und wie viel Meter
„O, nicht mehr als 10—11!
„Sagen wir 10, 10 mal 2 ℳ 95 macht
haben?“
„Ach, mit deinem langweiligen Einmaleins!
„Bedenke doch 29 ℳ 50 zehn Meter, das
Doch der Frau will es nicht einleuchten, und
Opferlamms und feſt überzeugt, daß ihr Mann
en die Gaſtfreundſchaft
ſaßen nach dem Nachteſſen gemütlich bei⸗
einen durchdringenden Schrei hören. Entſetzt,
ſchreckensbleich erhob ſich die junge Pfarrfrau
und riß das Kindlein, das gleich wieder ganz
ruhig geworden war, aus der Wiege. „Mei
Wilhelmle, mei Wilhelmle! was haſchde?
biſchd krank?“ Wie wahnſinnig lief ſie mit
dem Kind die Stube auf und ab. Der Mann
fahren, um zum Arzt zu laufen, die Magd
mußte alles liegen und ſtehn laſſen, um die
weiſe Frau herbeizuſchaffen. Unterdeſſen ſchlief
das Kind wieder ein, und als der Arzt kam,
konnte er nur beſcheinigen, dem Kind fehle
abſolut nichts, der Schrei rühre ſehr wahr⸗
ſcheinlich von einem Flohbiß her. Unter der
Haustüre murmelte er aber vernehmlich in
den Bart: „Einfältige Gans, wie kann man
nur ſo den Kopf verlieren!“
Das war grob, aber nicht unbegründet.
Eine vernünftige Frau gerät nicht außer ſich,
tut nicht ſo wüſt, behält ihre fünf Sinne ſo
beiſammen, daß ſie ſagen kann: Zweimal
zwei iſt vier, mag die Lage auch noch ſo
kritiſch ſein. Was nützt es dem kranken Mann,
wenn die Frau am Bette ſteht und jammert
und ſich die Haare ausrauft? Beſſer wäre
es, ſie hätte die Geiſtesgegenwart, die Arznei⸗
tropfen richtig abzuzählen! Was hat man von
einer Frau, die bei der geringſten Aufregung
einen Nervenanfall bekommt oder den Verſuch
macht an der Wand hinaufzuklettern? Mir
lebt eine edle Frau in der Erinnerung, die
für manche vorbildlich ſein kann. Es war
am Tag nach der Wörther Schlacht, da wagte
ich mich nach Fröſchweiler, ins gräfliche
Schloß. Wie ſah es da aus! Im Hof, im
Garten, in den Scheunen und Stallungen,
in allen Räumen Hunderte und Hunderte von
Verwundeten, die nach Waſſer ſchrien, nach
zerſchoſſen, die benachbarte Kirche ein Raub
der Flammen, die Dorfſtraße mit Kriegsvolk
gefüllt, Not und Mangel, Furcht und Schrecken
überall. Der Schloßherr abweſend, kurz vor
der Schlacht war er dienſtlich nach Metz
berufen worden. Allein die Gräfin war zur
ſie da, mitten unter allen den Greueln der
Verwüſtung! Wie ruhig gab ſie Beſcheid, wie
rene Sprößling, im Schlafzimmer nebenan,
energiſch wies ſie Zudringliche und Eindring⸗
konnte nicht ſchnell genug in die Stiefel 4
Pflege, nach dem Tod. Das Haus teilweiſe
Stelle, — aber mit welcher Faſſung ſtand
den
nick
ſiel
jed
tau
vie
vie
dir
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/gute_bote_1908/0044