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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/gute_bote_1908/0045
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andern: Vive la —. Aber weiter kam er nie,

ſeine Gefährtin den Mund zu, ſodaß es immer

† bekommen. Eine Frau, die ihren Mann abhält
eine Dummheit zu machen, iſt ganz beſonderer
Auszeichnung wert. J

Jammern, Sorgen und die ganze ſaubere
Kompagnie.

Aber, mein Freund, ich bitte dich, du biſt
ſoeben mit geſunden Gliedern aufgeſtanden —
nicht alle ſind ſo glücklich geweſen — du
ſiehſt die Sonne mit deinem Geſicht, aus

vielleicht ändert ſich heute dein Schickſal,
vielleicht geht gerade jetzt der Engel aus, der
dir Hilfe bringen ſoll, und du willſt klagen,
den Tag beginnen mit klagen? Schäme dich

linge zurück, wie gelaſſen ſchickte ſie ſich in
die Zerſtörung ihrer Habe! Wie freundlich
teilt ſie mit andern das Wenige, was ihr
geblieben war! Sie war eine Heldin, warum?
Einfach weil ſie eine vernünftige Frau war,
die ſich vom Gefühl nicht übermannen ließ.
Der Herr ſegne ſie dafür in der Ewigkeit!

Mit einem andern weniger tragiſchen Er⸗
lebnis will ich ſchließen. Im Jahr 1893 hat
bekanntlich die Stadt Straßburg den Bebel
zu ihrem Vertreter in den Reichstag gewählt.
Am Abend der Wahl gabs Krawall in der
Meiſengaſſe, die Polizei ſchritt ein und wies
die Schreier zur Ruhe, aber lang mit wenig
Erfolg. Unter meinen Fenſtern ſtanden eine
Anzahl junger Leute, die es beſonders arg
trieben, die Schutzleute zu reizen. Einer von
ihnen war beſſer gekleidet und hatte ein junges
Mädchen am Arm. Er ſchrie ſo laut wie die

denn jedesmal hielt ihm in dieſem Moment

unentſchieden bleiben wird, ob er Preußen,
Rußland oder Frankreich hochleben laſſen
wollte. Wenn er ſie, wie ich hoffe, ſpäter ge⸗
heiratet hat, ſo hat er ein vernünftiges Weib

3. Klagen hat ſeine Zeit
ſo leſen wir im Prediger Salomo, und
weil es ſo geſchrieben ſteht, müſſen wir wohl
unſern täglichen Stundenplan drum anſehen,
wo wir eine paſſende Zeit finden für Klagen,

Alſo, wie wär's mit morgens früh? —
jedem Stück deiner Umgebung grüßt dich

Gottes Güte, ein neuer Tag iſt dir beſchieden,
taufriſch liegt er vor dir, und wer weiß?

was! Ein Lobe den Herrn, meine Seele!
iſt beſſer am Platz. Frau Klage, die böſe
Alte mit den grauen Schmachtlocken um die
hohlen Backen, kann unterdeſſen vor der Türe
warten; wenn ſie friert, um ſo beſſer, dann
geht ſie vielleicht von ſelber weg!
Nun an das Tagewerk! Iſt wohl jetzt der
richtige Moment zum klagen? — Menſch, was
denkſt du? Wenn du klagſt, wird dein Herz
ſchwer, dein Auge trüb, dann arbeiteſt du H
ſchlecht und bringſt nichts ordentliches zu—
Stande. Denn wer was leiſten will, der muß
friſch und fröhlich und mit ungeteiltem Herzen
bei der Sache ſein. Alſo — Frau Klage
muß ſich wieder gedulden, ihre Stunde iſt
noch nicht da. H
Dann kommt das Eſſen. Iſt vielleicht jezt—
Klagenszeit? — Du fragſt kleinlaut, du haſt S
ſelber das Gefühl, daß klagen bei Tiſch ſerr
wenig angebracht wäre. Einmal würdeſt du
dir und den deinen damit den Appetit ver⸗
derben, und das wäre ſchade. Dann kommt
man ja nicht bloß zuſammen, um den Hunger
zu ſtillen und den Magen zu befriedigen,
ſondern auch um ſich zu ſehen und in Ruhe
zu genießen, den Tag über gelangt man jaa
ſelten genug dazu. Bei jeder gemeinſamen
Mahlzeit kommt die Zuſammengehörigkeit der
Familie zur Darſtellung, das iſt des gemein⸗
ſamen Eſſens hohe ſittliche Bedeutung. Sieh

dir als Lebensgefährten zugeſellt hat, deein
Glück und Wohlergehn iſt von dem ihrigen
nicht zu trennen, und wer weiß, wie lange ſie
noch alle da ſind, ob nicht bald der eine oder

ſein wird? Darum ſoll bei Tiſch jeder ſich—
von ſeiner beſten Seite geben (nicht bloß wenn
ein Gaſt da iſt), und reden was lieblich iſſt
und wohllautet, und ſein möglichſtes tun, daß—
das Zuſammenſein jedem recht lieb und wichtig
werde. Beſonders den Kindern. Wie ſollen die
Kinder gern gehorchen, wenn ſie keine Liebe
zu den Ihrigen haben? Wie ſollen ſie einmmal
gern an das Elternhaus zurückdenken, wenn
die Erinnerung ihnen nicht angenehm iſt? Und
wie ſoll ihnen das Heim traut und lieb
werden, wenn bei Tiſch die Mutter damit

beginnt, daß ſie klagt und ſeufzt, und der

dich um im Kreiſe! Da ſind Frau und Kinder,
Eltern und Geſchwiſter, alles Leute die Gott

der andere von ſeinem Platz verſchwunden


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