Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/gute_bote_1908/0057
Als wir genug gezündet hatten, setzten
wir uns an den breiten runden Tisch unter
dem Nußbaum. Die Schwester des alten
Herrn, der nie zum Heiraten gekommen war,
füllte die Tassen. Es entwickelte sich ein
trriaauliches Gespräch. Mein Freund, der mit
seinen Pfarrkindern alt geworden war und
mit viel Liebe in seiner Gemeinde waltete,
klagte im Anschluß an unser eben vollendetes
Geschäft, wieviel böse Raupennester sich doch
an die Zweige unserer Gemeinden setzen und
die jungen Früchte bedrohen. Wir waren beide
Lerute, die die Freude unserer jungen Burschen
am Turnen und Singen verstanden, aber wir
beklagten das mächtig zunehmende weltliche
Vereinswesen auf dem Lande mit den vielen
Stiftungsfesten und Fahnenweihen am stillen
Tag des Herrn, die eng damit verbundenen
Ausgaben und Versuchungen. Mein Freund
hatte es bei recht wackeren Konfirmanden
errlebt, daß sich der Geist ungefestigter Ka-
meradschaft wie ein böses Raupennest um die

53

14 jungen Früchte gesponnen und ihnen das Licht

von oben und den Saft des inneren Menschen
gestohlen hatte. Und so nannte er noch

manchen Schädling, der am Lebensblut unserer

Gemeinde saugt und sprach ernst und mahnend
von dem Gärtneramt der Geistlichen, Orts-
vorsteher, Lehrer und Eltern, in die Raupen-
nester hineinzuzünden und den bösen Geistern
der Sünde in Gemeinde, Kirche, Schule und
Haus heimzuleuchten.
Die Sonne neigte sich zum Untergang.
Ich hatte die Klinke der Gartentür in der
Hand und verabschiedete mich von meinem

Freund. Da sagte er noch mit väterlichehe
Blick: Aber nicht so hineinzünden, daß die
jungen Früchte selbst verletzt werden! Wir

gingen durch die Abendfluren dem heimatlichen
Dorfe zu. Auf unseren Herzen lag das
Gebet:

Du Gärtner, treu und milde,
O laß uns fromm und fein,
Zum himmlischen Gefilde.
Zum ew'gen L deih'
4 gen Lenz gedeih'n.

Schr.

Gustav S

192.

1 - In unserer Zeit, wo alles reist, wo
G am Sonntag morgen halb Straß-
1 2. burg sich zum Bahnhof drängt, und
B r wir Pfarrer uns fragen, ob wir nicht
gut daran täten unsern Gemeindeglie-
dern nachzuziehen und irgendwo im Wald oder
zwischen den Trümmern eines alten Schlosses
Gottesdienst zu halten (es soll da und dort
geschehen!) - wer kennt Roth au nicht, am
Eingang des Steintals, am Fuße des Donon,
wo rechts und links an der Bahn Fabrik an
Fabrik sich reiht, und wo das Stampfen der
Maschinen und das Surren der Räder das
Klappern des Eisenbahnwagens übertönt?

Mannes unbekannt, der am meisten getan
hat, um die Industrie in jener Gegend in
lor zu bringen und dem es durch Gottes
nade gelungen ist beides zu sein, ein großer
Industrieller und ein rechtschaffener Christ,
- Gustav Steinheil?

Und welchem Elsässer ist der Name des

Er war ein Straßburger Kind, am 19.

teinheil.
Dezember 1818 ist er im alten Pramberger'

schen Hause, Ecke Goldschmiedgasse und Spieß.
Als Knabe und als
heranwachsender junger Mann hat er anfangs

gasse, geboren worden.

wenig wissen wollen von dem neuen Glaubens-
leben, das sich damals allenthalben auch in
Straßburg mächtig regte. Aber als er zu
seiner Ausbildung nach Paris kam, trat er
in einen Kreis junger Leute, die sich um den
lieben seligen Pfarrer Lonis Meyer scharten,
und da wurde er mit einem Schlag beides,
ein Freund und Liebhaber des Heilands und
ein Freund und Beschützer der Armen, und
beides ist er geblieben, bis er am 6. Februar
1906 seine Augen schloß für diese Welt.
1842 kam er nach Rothau, zuerst im Dienste
seiner Tante Pramberger, der damals die
Spinnerei gehörte, dann als selbständiger
Leiter, und was hat ihm da der Herr für ein
schönes Arbeitsfeld zugewiesen! Unter seinen
Arbeitern stand er wie ein Bruder, nahm
brüderlichen Anteil an ihrem Wohl und Wehe,
besuchte die Kranken hoch oben in den Bergen


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/gute_bote_1908/0057