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hat? die bringen ihn mit ein paar Stöße in
die d her
Es bleibt ihm nichts übrig als sich führen
zu lassen, und nun erfaßt ihn seiner Lage
ganzer Jammer. Er weint: "Lon mi los,
i will's gewiß nimm duen! D'andere henn mi
g'heiße!"
Marsch, furt! dü bisch groß genue fir ze
wisse, daß mer nit stehle soll!"
brav were!-
SSo, e Großmamme hesch! die kann froh
iin, daß sie so e Frichtel hett! Awer her'
emol! i Stimm kummt mer so bekannt vor.
Wie heisch denn?
Eben kamen sie an die Brücke, und an der
Briücke stand eine Laterne, die ihr volles Licht
auuf das aschenfahle Gesicht des jungen Ver-
brechers warf.
Iritz Becker, bisch dü's!"
Der Fritz schaut auf und wäre am liebsten
in den Boden versunken, so erschrak er:
"Großmamme, Großmamme! i will gewiß.
"Herr Wiedmayer, Sie sin's!" Es war sein
früherer Gehilfe in der Kinderlehre, und was
für einer! Wie manchen Ausflug hat er mit
seiner Gruppe gemacht! Dem Fritz hat er
sogar einmal Geigenstunde gegeben!
"Fritz, dü bisch's! Als e Reiwer mueß i di
widder finde! Guets haw' i der nie viel zue-
gedräut, aber, daß de-n-emol so e Stickel
liffere dätsch, hett i nit gedenkt!"
"Herr Wiedmayer! i will's gewiß nimm
duen! Erbarme Sie sich!"
Nun, zur Polizei brachte Herr Wiedmayer "
seinen ehemaligen Schüler freilich nicht, aber
vorläufig zur Großmutter, die zu Hause vor
Kummer über das Ausbleiben des Knaben
schier vergangen war. Dann tat er Schritte,
daß er in eine Anstalt kam, da ist er durch
Gottes Gnade ein anderer Mensch geworden,
und seine Großmutter wird doch noch etwas
von ihm haben.
So ist der Fritzes an den Unrechten ge-
kommen, der aber doch der Rechte war.
Zekenne waren in früheren Zeiten
die Elsässer, obschon gute Framosen,
Denn der französis schen Sprache nicht
eimmer sehr vertraut, und es kam mit-
S unter, besonders auf dem Lande, wenn
die Regierung einen Befehl erließ, zu seltsamen
Der Gemeinderat eines Dorfes hatte eine
Klage gegen den Bürgermeister eingereicht.
Der Präsekt muß die Klage für begründet
angesehen haben, denn er schickte das Schrift-
stück an die Gemeinde zurick, mit dem Be-
scheid: Suspendez-le! das heißt: Setzt den
Bürgermeister ab! Die Bauern verstanden
aber den Befehl buchstäblich, als sollten sie
den Bürgermeister aufhängen, und schrieben
an die Behörde zurück, sie fänden die Strafe
doch etwas zu hart dad übrigens wäre kein
Galgen im Dorf.
Aber noch viel lustiger ist folgender Zug
aus einer Zeit, die sonst wenig zu Lachen
gibt. Bekanntlich diente, als die Schreckens-
. Mißverständnissen. Folgendes wird bi erzählt.
Heiteres auns der Schreckenszeit.
männer in Straßburg das Regiment führten,
das Seminar hinter dem Münster als Staats-
gefängnis. Über tausend Bürger und Bür-
gerinnen waren dort eingesperrt, Professoren,
Pfarrer beider Konfessionen, angesehene Kauf-
leute, und viele andere, nur aus dem Grunde,
weil sie dem Pöbel, der damals am Ruder
saß, verdächtig schienen. Sie wurden ungemein
streng gehalten und in jeder Weise gequält.
So kam einmal eine Verordnung, die Ge-
fangenen dürfen kein Licht, kein Feuer, keine
Feder, kein Papier noch Tinte mehr haben.
Die armen Leute fügten sich; nur ein katho-
lischer Priester, Namens Rampler,
heimlich sein Schreibzeng und benützte es, um
einen Beschwerdebrief an den Maire Monnet
zu schreiben. Dieser geriet darüber in einen
großen Zorn. Rampler war in seinen Augen
ein Rebell, der sich den Vorschriften der
Regierung heimtückisch entziehe. Um ihn ün-
schädlich zu machen, wurde befohlen: de
mettre au secret, d. h. er solle, von den
andern Gefangenen getrennt, in eine besondere
behielt Rł
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