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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/gute_bote_1908/0064
recht, wir gehören jetzt zu einer großen Welt⸗
macht, jetzt wollen wir auch Welrtpolitik
treiben. Weißt du was? Haſt du ein bischen
Zeit? So ſetzen wir uns hier nieder und
fahren miteinander in der Welt herum; das
iſt dann unſere Weltpolitik. So, guter Bote,
da ſind wir zwei, jetzt fang du an und erzähle
uns was.

60

Gott es am Leben erhält, ein künftiger Kaiſer.
Der 3. Sohn unſeres Kaiſers, Prinz Auguſt
Wilhelm, hat ſich mit der Prinzeſſin Auguſta
Viktoria von Schleswig⸗Holſtein verlobt. Der
Großherzog von Baden iſt am 9. Sep⸗
tember 80 Jahre alt geworden und hat gleich⸗
zeitig ſeine goldene Hochzeit gefeiert. Kurz
zuvor war er mit ſeiner Gemahlin in Vil⸗
lingen geweſen; auf einem Wald⸗
ſpaziergange begegnete er einem

alten Waldarbeiter, mit welchem
er ſich in ein Geſpräch einließ,
wobei er erfuhr, daß der Mann
ſchon 60 Jahre im Walde arbeite
und 77 Jahre alt ſei. „Da ſeid
Ihr ja noch 3 Jahre jünger als ich“,
ſagte der Fürſt, worauf der Alte
antwortete: „Dann ſeid Ihr der
Großherzog und ſälli iſcht eure
Frau“, was beide lachend bejah⸗
ten. „Sell kann ich ſage“, fuhr
der Biedermann fort, s'Volk iſch
aber auch ſehr z'friede mit Euch“.
Ein ſchöneres Lob kann ſich ein
Fürſt nicht wünſchen, und wir
gönnen dasſelbe dem großherzog⸗
lichen Paare von Herzen.
Im Oktober ſtarb der Regent von
Braunſchweig, Prinz Al⸗
brecht von Preußen, worauf na⸗
türlich die Frage der Braunſchwei⸗
ger Thronfolge wieder in Fluß
kam. Der natürliche Erbe der frü⸗
heren Herzöge iſt das hannoverſche
Königshaus, welches 1866 durch
die törichte Hartnäckigkeit des da⸗
maligen Königs den Thron verlo⸗
ren hat. Der 1878 in der Ver⸗
bannung verſtorbene König von
Hannover hat ſeinem Sohne, dem

Herzog von Cumberland, das Ver⸗
ſprechen abgenommen, niemals

vom Regentſchaftsrate gewählt.
Ihr lieben Vetter, wappnet euch mit Ge⸗
duld, denn es wird nicht ſo einfach ſein, als
ihr wohl meint, und ihr werdet während
meiner Erzählung mehr als einmal den Kopf
ſchütteln. Wir fangen mit dem Deutſchen
Reiche an, nicht wahr?
Am 4. Juli v. Js. iſt dem Kronprinzen⸗
paare ein Söhnlein geboren; das iſt, wenn

Zohann Albrecht, Herzog v. Meklenburg-Schwerin,
wurde als Regent für das Herzogtum Braunſchweig

ſeine Anſprüche auf Hannover auf⸗
zugeben; ſo konnte er alſo für den
Thron von Braunſchweig nicht
in Frage kommen, wohl aber,
meinte man, ſein Sohn, wenn
dieſer förmlich auf Hannover verzichten
würde. Das ſchien dem Bundesrat nicht ge⸗
nügend, der einen vollen und definitiven Ver⸗
zicht verlangte, auf den die Familie aber nicht
einging. So wurde vom Hauſe Hannover
abgeſehen und der Braunſchweiger Landtag
wählte zum Regenten den Herzog Albrecht
von Mecklenburg, wohl bekannt als


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