http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/gute_bote_1908/0071
uns die Schnapsſäufer).
—
heerungen anrichtet, ſodaß diejenigen, welche
ſich dem Opiumrauchen hingeben, nach und
nach verdummen (übrigens gerade wie bei
Im September
vorigen Jahres iſt von Peking aus ein kaiſer⸗
licher Erlaß ergangen, welcher eine gänzliche
Unterdrückung des Opiums, ſowohl des ein⸗
heimiſchen als des fremden, innerhalb 10 Jahre
anordnet. Der Erlaß verurteilt das Laſter des
Opiumrauchens und befiehlt dem Staatsrat.
Verordnungen zu treffen, kraft derer ſowohl
der Gebrauch der Opiumpfeife, als die Kultur
der Mohnpflanze zu unterdrücken iſt. Früher
hat das chriſtliche England ſich dem Verbot
der Einführung von Opium widerſetzt, weil es
allein von dem Verkauf des indiſchen Opiums
in China jährlich einen Gewinn von 100 Mil⸗
lionen erzielte. Hoffentlich wird es jetzt den
humanen Beſtrebungen der chineſiſchen Re⸗
gierung keine Oppoſition machen. Wenn man
nur bei uns auch ſo gegen den Branntwein
vorgehen könnte und wollte!
Nun reiſen wir ein bischen nach Frank⸗
reich, das tun die Elſäſſer ja immer noch
gerne. Darf man noch einmal vom Haupt⸗
mann Dreyfus reden? Es muß doch
geſagt werden, daß derſelbe am 22. Juli v. Is.“
förmlich freigeſprochen worden iſt, indem
nach eingehender Prüfung der Akten ſeine
Unſchuld erkannt, und er daraufhin in ſeine
Amter wieder eingeſetzt wurde. Wir erinnern
daran, daß er im Jahre 1894 auf Grund des
„Borderau“ nach der Verbrecherinſel verbannt
worden war, daß die Senatoren Scheurer⸗
Keſtner und Trarieux ſich ſeiner annahmen,
daß aber General Mercier, Oberſt Henri, der
verſchiedene Fälſchungen verbrochen und
Eſterhazy, welcher der Verfaſſer des berühmten
Schriftſtücks war, gegen ihn auftraten; daß
der Schriftſteller Zola das gerichtliche Urteil
heftig angriff, aber doch verurteilt wurde, und
daß endlich unter dem Miniſter Briſſon
Dreyfus vor ein neues Kriegsgericht geſtellt,
trotzdem wieder verurteilt, aber dann begna⸗
digt worden war, jedoch nicht ruhte, bis ſeine
Unſchuld wirklich anerkannt und ausgeſprochen
wurde.
Im Oktober iſt der bekannte Politiker
Clemenceau Miniſterpräſident geworden;
an das Kriegsminiſterium hat er den General
Piceq uart berufen, welcher im Laufe des
Prozeſſes Dreyfus verhaftet und abgeſetzt
worden war.
6
—
7
Kirche und Staat in Kraft getreten
und das Kultusbudget abgeſchafft worden.
Die Regierung begehrt, daß ſich aller Orten
der
Kultusgemeinſchaften bilden, welchen
Gebrauch der Kirchen überlaſſen werden ſoll.
Die Proteſtanten haben ſich dieſer Forde⸗
rung unterworfen und haben auch für die
künftige Beſoldung der Geiſtlichen und den
Unterhalt der Kirchen die nötigen Maßregeln
getroffen, ſo daß ihr Beſtand als geſichert
angeſehen werden kann; nur macht ſich auch
bei ihnen der Einfluß der religionsloſen, ja
oft religionsfeindlichen Schule auf die heran⸗
wachſende Jugend merklich, und verurſacht
ihnen viel Sorge im Hinblick auf die Zukunft.
Pobjedonoszef,
früherer Oberprokureur des Heil. Synods in Rußland,
geſtorben 23. März 1907.
In der katholiſchen Kirche waren einige
Biſchöfe für die Bildung von Kultusgemein⸗
ſchaften, der Papſt hat ſich aber dagegen er⸗
klärt. Es iſt ihnen ein Jahr Bedenkzeit ge⸗
währt worden; unterdeſſen iſt die Fortſetzung
des Kultus auf Grund des Vereinsgeſetzes
möglich, wonach aber jede öffentliche Ver⸗
ſammlung anzuzeigen iſt. Hier wiederum hat
der Klerus die geforderte Anzeige verwei⸗
gert. Es zeigt ſich eben, daß man den Kampf
will; es iſt keine Gewiſſensfrage, es iſt eine
Machtfrage; die katholiſche Kirche will zeigen,
daß ſie mächtiger iſt als der Staat. Die
Kammer hat dann ſchließlich den Gottesdienſt
Am 11. Dezember iſt die Trennung von
erlaubt, auch ohne Anzeige; aber damit hat
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/gute_bote_1908/0071