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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/gute_bote_1908/0072
die Kirche das Eigentumsrecht auf ihre Ge⸗
bäudezverloren. Der Kultusminiſter hat dann
einen Mietsvertrag vorgelegt, den die Prä⸗
fekten bei Vermietung der Kirchengebäude
an die Geiſtlichen anzuwenden haben; die
Kammer hat den Vertrag gutgeheißen, die Bi

ſchöfe zum Teil auch, aber wiederum hat ihn der

Der Schah Muzaffer-⸗el-⸗Din von Perſien,

geſtorben 8. Januar 1907.

Papſt verworfen. Die Regierung will indeſſen
jeden Schein von Verfolgung vermeiden und
hat keine Luſt, Märtyrer zu machen; ſie will
den Katholiken ihre Glaubensfreiheit wahren,
und ſo iſt die Lage augenblicklich dieſe: Die
für die katholiſche Kirche beſtehenden Kirchen
bleiben offen für den katholiſchen Kultus und

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für keinen andern; Bürgermeiſter und Geiſt⸗
liche können für die Benutzung derſelben
einen Vertrag abſchließen, der ein Verhältnis

von Beſitzer und Mieter zwiſchen ihnen her⸗

ſtellt; und dasſelbe tut der Staat für die
Kirchen, die ihm angehören. Soweit könnte
die

Angelegenheit in Ordnung gebracht
werden; bei der großen Gleich⸗
gültigkeit? der Bevölkerung in
manchen Gegenden Frankreichs iſt
es aber fraglich, ob die Kirche
die nötigen Mittel zur Beſoldung
der Geiſtlichkeit aufbringen wird.
Die Zukunft wird es lehren.
Die Angelegenheiten in Ma⸗
rokko ſind immer noch nicht
geregelt, und das Land, welches
Frankreich im ſtillen zu annektieren
hoffte, wird ihm ein Pfahl im
Fleiſch und die QZuelle endloſer
Scherereien. In Marakeſſch iſt
ein franzöſiſcher Arzt, Dr Mau
champs, ermordet worden; er
hatte auf ſeinem Hauſe eine Flagge
gehißt, was dort nicht erlaubt iſt,
und in der Umgebung der Stadt
hatten Franzoſen topographiſche
Meſſungen vorgenommen, was die
Einwohner erzürnt und mißtrauiſch
gemacht hatte. Sofort ſind zwei
franzöſiſche Kreuzer abgegangen
und die Grenzſtadt Udjda iſt von
den Franzoſen beſetzt worden. Es
wird wohl, wie gewöhnlich, bei
alledem nicht viel herauskommen
als ein gründlicher AÄrger über die
mißlungenen Verſuche, den verlo⸗
renen Boden wieder zu gewinnen.
Im Süden Frankreichs iſt ſeit
Monaten eine gewaltige Gärung
in der ganzen Bevölkerung, die
in eine ganz ſchlimme Lage ge⸗
raten iſt, weil der Wein, das
Haupterzeugnis der Gegend nicht
verkauft werden kann, obgleich er
zu Spottpreiſen, 5 und ſelbſt 3 Fr.
per Hektoliter angeboten wird. —
Ha, denkt mancher Leſer, könnte
ich nur ein paar Ohm guten Rotwein zu dem
Preiſe in meinen Keller ſchaffen! Nicht wahr,
Freund, wenn der böſe Zoll nicht wäre! —
In der Tat ſind infolge dieſes Übelſtandes in
manchen Gegenden die Leute ganz verarmt
und haben kaum noch was zu eſſen; aber
allerdings wird vielerorts die Sachlage über⸗


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