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muß doch auch ein paar gruselige Geschichten
erzählen.
Am 3. Juli v. Js. brannte in Hamburg
die Michasnkirche- ab: Dachdecker arbeiteten
im Turme und durch deren Unvorsichtigkeit
ist wahrscheinlich der Brand entstanden. Die
Kirche war das Wahrzeichen Hamburgs, sie
war im Brand von 1842 verschont geblieben,
und gewährte im Innern Platz für 3000 Per-
sonen. Sie soll nach dem alten Plane wieder
aufgebaut werden.
Am 4. August scheiterte an der spanischen
Küste das italienische Auswandererschiff
Sirio; es hatte spanische und italienische
Auswanderer an Bord, wovon 3-400 er-
trunken sind. Ganz abscheulich und herzlos
wäar das Verhalten der Schiffsmannschaften,
welche vor allem sich selber in Sicherheit
brachten und sich um die Passagiere nicht
kümmerten, ja selber sie mit Pistolen von den
Booten zurückdrängten.
Im November explodierte in Witten
in Westfalen eine Roburitfabrik; es gab
30 Tote, 60 schwer und 180 leicht Verwundete.
Als eine Menge Menschen zusammenlief, um
die Unglücksstätte zu besehen und den Ver-
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l unglückten zu helfen, erfolgte unversehens
eine zweite Explosion, welche zahlreiche Zu-
. schauer tötete.
Im Januar ein Erdbeben in Jamaika,
bei welchem die Stadt Kingston besonders
gelitten hat.
Am 28. Februar eine Explosion in der Grube
Reden bei St. Johann an der Saar, wobei
über 150 Grubenarbeiter verschüttet wurden
und sämtliche meist durch giftige Gase ums
Leben gekommen sind.
Am 23. Februar ist der englische Dampfer
"Berlin", der von Harwich nach Hoek van
Holland fuhr, früh morgens 5 Uhr beim Ein-
gang in den holländischen Hafen infolge eines
heftigen Sturmes gestrandet. Das Schiff
wurde in zwei Stücke gerissen, der hintere Teil
versank, viele Passagiere wurden durch Sturz-
wellen weggespült; die See ging so hoch, daß
kein Rettungsboot an das Schiff heran-
kommen konnte; 120 Passagiere kamen um
und 60 Mann von der Besatzung; von einer
deutschen Operngesellschaft, die von London
zurückkehrte, wurde nur eine Person gerettet.
Endlich nach unmenschlichen Anstrengungen
konnte man nach 36 Stunden das Schiff e
reichen: 14 Personen waren noch am Eben,
halb nackt, ganz erstarrt und sich krampfhaft
aneinanderhaltend, elf von ihnen ließen sich
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an einem hingeworfenen Seile herunter,
3 Frauen konnten sich zu diesem gewagten
Schritt nicht entschließen und mußten zurück.
bleiben, aber auch sie wurden noch durch
2 junge Schiffskapitäne mit unsäglicher Mühe
heruntergeholt und gerettet. An den Rettungs.
arbeiten hat sich Prinz Heinrich, der Gemahl
der Königin von Holland, in hervorragender
Weise beteiligt.
Endlich haben wir noch zu berichten, daß
im März auf dem in Toulon im Trocken-
dock liegenden Panzerschiffe "Jena, eine
Explosion in einer Pulverkammer stattge-
funden hat, bei welcher es ungefähr 110
Tote und ebensoviele Verwundete gegeben,
und das Schiff beinahe ganz zerstört wurde.
Wie heißt es im 107. Psalm?: "Die auf dem-
Meere fuhren, wenn er sprach und einen
Sturmwind erregte, der die Wellen erhob,
und sie gen Himmel fuhren und in den Ab-
grund fuhren, daß ihre Seele vor Angst ver-
zagte, und sie n Herrn schrien in ihrer Not,
und er stillte das Ungewitter, daß die Wellen
sich legten: die sollen dem Herrn danken für
seine Güte und um seine Wunder, die er an
den Menschenkindern tut."
So weit der "Gute Bote". Als er mit
seiner Erzählung zu Ende war, erhob er sich,
nahm Abschied von den Beiden und ging
weiter. - Nun, was meinst du, Michel, wie
gefällt dir eigentlich der Gang dieser Welt? -
Ich meine, Hans, wir können froh sein, in
unserm schönen Ländel zu wohnen; ich möchte
einmal mit keinem andern tauschen. Ja, ja,
unser Elsaß, das lob ich mir; ich werde immer
mehr ein guter Elsässer! - Ganz recht, aber,
weißt du noch, der Herr von Colmar hat ge-
schrieben, das sei nichts rechtes, wir müßten
auch gute Deutsche werden, sonst blieben wir
halbwegs stehen und werde nichts Rechtes
aus uns. - Ich will dir was sagen, Hans:
die besten Frauen sind die, von denen man
nicht spricht. So ist es auch mit den besten und
wichtigsten Dingen, je weniger man davon
spricht, desto besser; das Gute wächst im Stillen
und wenn die Zeit gekommen ist, so steht es
da; das viele Reden und Schwätzen macht
es nicht, so wollen wir es auch machen. Leb
wohl, Hans, es hat mich gefreut, dich noch ge-
sund anzutreffen; auf Wiedersehen nächstes
Jahr, wenn wir noch leben; unser Elsaß
aber soll leben! - Ja, ja, Michel, du hast
recht; Gott befehlen wir uns, unser Land
und alle Welt. E. B.
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