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Leopold fiel es nicht ſchwer ſein Wort zurück⸗
zunehmen; am 12. Juli telegraphierte Fürſt
Anton in ſeinem Namen, er habe ſeine
Kandidatur aufgegeben! König Wilhelm be⸗
eilte ſich, dies dem Benedetti mit dem Aus⸗
druck ſeiner Befriedigung mitzuteilen. Und
nun war alles gut, diesſeits wie jenſeits
des Rheins atmete man auf und dankte
Gott: Der Friede iſt gerettet! Nur die
Kriegspartei in Frankreich, an der Spitze
die Kaiſerin und der Herzog von Gramont,
waren mit dieſem Ausgang ſehr unzufrieden.
Sie ſagten: Krieg müſſen wir haben und
jetzt hätten wir ſo einen ſchönen Anlaß ge⸗
habt um loszuſchlagen! jetzt iſt uns die
Stimmung im Land günſtig und im Heere
fliegen die Degen ganz von ſelbſt aus der
Scheide! Was geſchah? Am 13. Juli mußte
Benedetti noch einmal an den König heran,
mit dem Anſinnen, der König ſolle gleich⸗
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ſam ſein Bedauern ausſprechen, daß er den
Gedanken gehabt hat, ein preußiſcher Prinz
könne König von Spanien und für die Zu⸗
kunft ſich verbürgen, daß ſo etwas nie wieder
vorkomme. König Wilhelm war gewiß ein
milder und friedfertiger Fürſt, aber das war
ihm doch zu viel, er lehnte ab, und als
Benedetti noch einmal kommen wollte, ließ
er ihm zu wiſſen tun, er habe ihm nichts
mehr zu ſagen, und nun rieb ſich Gramont
die Hände, Frankreich iſt beleidigt worden,
das kann nur mit Blut geſühnt werden!
Armes Frankreich! wie mußte es dafür
büßen, daß es ſolchen Leuten ſein Ver⸗
trauen geſchenkt hatte! wie muß ein Volk
es büßen, wenn es ſich, ſtatt durch ruhige
Überlegung, durch wilde Leidenſchaft beherr⸗
ſchen läßt und Hetzern ſein Ohr leiht! Gott
bewahre unſer Volk vor einer ſolchen Ver⸗
blendung! Gott erhalte uns den Frieden!
Wie Trompeter⸗Toni's Hennerle in die Forstcarriere kam.
Eine Erzählung.
13 hriſtian Urban und Margareta Haſen⸗
ſchmalz, ſo hieß eigentlich einfach
Wund ehrlich das Ehepaar, von dem
ich erzählen will, aber mit Aus⸗
Herrn Pfarrers und des Rentmeiſters in
nahme des Gemeindeſchreibers, des
Niederbronn, wußte dies kein Menſch. In
der ganzen weithin über Berg und Tal
verzottelten Gemeinde hieß man ſie nur:
Trompeter⸗Toni's, und zwar aus dem be⸗
kannten Grunde: der Name haftete an dem
Haus, das ſie bewohnten! In den 30⸗er.
Jahren des vorigen Jahrhunderts war in
Nacht und Nebel ein bayeriſcher Soldat über
die nahe Pfälzergrenze gekommen. Er war
deſertiert, nicht aus eigenem Antrieb, denn
er fühlte ſich als Trompeter in ſeinem Re⸗
giment ganz wohl, ſondern angeſtiftet von
ſeiner Braut, die nicht ohne Grund befürch⸗
tete, die hübſchen Dienſtmädchen in Speier,
wo er in Garniſon ſtand, würden ihn zuletzt
ihr untreu machen. Um ihn für ſein Opfer
zu entſchädigen, baute ſie ihm — ſie war
vermögend — diesſeits der Grenze, hoch
oben über dem Sulztal ein hübſches Häus⸗
chen mit Stall und Scheune und verſchaffte
ihm unten an der Sauer in der Sägemühle
ausreichenden Verdienſt Jahr aus Jahr ein,
und pflegte ihn gut, ſo daß der Toni zuletzt
ſeine Heimat vergaß. Nur manchmal an
Sonntag Abenden ſuchte er ſich im Wald
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