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— — — ⏑0° — KO N. N N. W⸗

hocherhoben davon, noch bevor die Gäſte
ſich von ihrem Erſtaunen erholt hatten. Das
Erſtaunen löſte ſich dann in ein furchtbares
Gelächter aus, das im angrenzenden Wald
Haſen und Rehe in Flucht brachte, und noch
lange erzählte man im Dorf was der Hen⸗
nerle für ein Kerl ſei.
Am folgenden Sonntag marſchierte er dann
mit ſeinen Geſchwiſtern in die Kinderlehre auf
den Winſtein, auf Fußwegen, die er allein

kannte, und als die Schule wieder anfing,

zog er täglich morgens früh mit ihnen
hinunter ins Jägerthal, ſorgte dafür, daß ſie
ſich unterwegs manierlich benahmen und
trug das Keſſelchen mit der Brotſuppe, das
zur Mittagszeit die gute Lehrersfrau für die
Kinder ans Feuer ſtellte, und wenn er
abends das Trüppchen wieder heimbrachte,

war er glücklich wie ein Hirte, dem kein

Schäflein abhanden gekommen iſt.
Einmal an einem Donnerstag hatte Hen⸗
nerle auf der Wieſe Gras geſchnitten für die
Kuh. Als er mit ſeinem Bündel zurückkam,
erſchrak er aufs heftigſte. Die ſich ſelbſt
überlaſſenen Kleinen hatten ſich die Freude
gemacht, am Waldrande ein Feuerchen an⸗
zuzünden, das leicht großen Schaden hätte
anrichten können! Schnell ſprang er hinzu,
verſchimpfte gehörig die Miſſetäter und riß
das brennende Heckenwerk auseinander. Das
Feuer war ſchon am verglimmen, als der
Waldhüter des Wegs kam, den Knaben
zornig anfuhr und ihm ein par Streiche
verſetzte. Hennerle hielt geduldig ſeinen
Rücken hin, bis ſich ſeine Geſchwiſter im
Wald in Sicherheit gebracht hatten. Dann
ſagte er lachend zum Wächter des Geſetzes:
„Gottlieb! Ihr hättet euch die Mühe
ſparen können! Ich habe das Feuer nicht
angezündet, ſondern die Kleinen und wenn
ihr nicht gleich ſo zornig dreingefahren wäret,
hättet ihr geſehen, daß ich dran bin es zu
löſchen!“
Das ſah nun der Waldhüter ein und da
er im Grunde ein guter Mann war, bot er
dem Hennerle als Schmerzensgeld einen
Nickel. Der aber ſagte lachend:
„Behaltet euer Geld! Was würde eure
Frau ſagen, wenn ſie heute Abend ein
Gröſchel weniger in euxem Hoſenſack fände?“

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Die Frau des Waldhüters war nämlich
dafür bekannt, daß ſie geizig war und ihren
Mann knapp hielt, und er mußte manche
Anzüglichkeit hören und ärgerte ſich genug
darüber. So hatte zwar Hennerle ſeine
Hiebe, aber der Waldhüter hatte ſeinen
Stich — ſie waren quitt!

Als Hennerle konfirmiert war, fand er
gleich ein Plätzchen als „Fallerbube“ am
Hüttenwerk im Jägerthal.
machte er ſich täglich auf den Weg, wenn
er die „Nachtſchicht“ hatte um elf Uhr
abends; wenn die „Mittagsſchicht“ an der
Reihe war, um elf Uhr morgens, aber dann
wanderte er um Mitternacht das Tal hinauf
nach Hauſe, und daß das bei Sturm und
Regen, oder bei Schnee und Froſt, wenn
die Buchen knarrten, nicht gerade ein Extra⸗
vergnügen war, das brauche ich dem Leſer
nicht näher zu begründen. Dafür brachte
er am Zahltag bereits nach wenigen Wochen
ſechs Mark nach Hauſe und das war will⸗.
kommenes Geld, da jedes Jahr die Gruppe

„uenſeri King“ ſich um ein Exemplar ver

mehrte, umgekehrt aber der Hausvater mit

der Erweiterung der Familie immer häufiger
das Bedürfnis empfand, ſeine Arbeit ein

paar Tage oder auch ein paar Wochen aus⸗
zuſetzen. In den erſten Zeiten ſchob ihm

die Mutter von dem Geld, das er ihr auf

den Tiſch legte, eine halbe Mark als Taſchen⸗
geld hin, Hennerle ließ ſie liegen. Wäh⸗
rend ſeine Kameraden am Sonntag in der
Wirtſchaft Kegel ſchoben oder Bier tranken,
trieb er ſich in den Wäldern herum oder
kletterte auf die Burgruinen, mit denen die
Gegend beſät iſt, und träumte von den alten
Zeiten, wo in dieſen Felſenneſtern Ritter
hauſten mit Helm und Harniſch und in den
Erkern Burgfräulein die Spindel drehten,
und freute ſich, daß er das Vergnügen rein
umſonſt hatte.
mütigen und zugleich ſo anſtelligen Jungen
vieles aufbürdete, das verſteht ſich von ſelbſt.
Den kleinen Garten hinter dem Hauſe pflanzte
er ganz allein an in ſeinen karg bemeſſenen
freien Stunden, und was ſchleppte er nicht
alles vom Krämer heim, wenn er müde und
matt von der Arbeit kam!

Unverdroſſen

Daß man einem ſo gut⸗


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