Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/gute_bote_1913/0073
um
ieſe
ger⸗

ung
der
chſt.
be⸗
nen⸗
igt,
ſten
den
und
ſten
ſind
elbe
lert
Bird
ann
ner
die
hin⸗
htet

eine
Salz
ant⸗
teln
ins
tuch
un⸗
t's,
ngt
Und
Der
idet
ihm
für
ge⸗
ließ

erz⸗

und
nen
hen
des

eil⸗

len.

Sie trugen's dem treuen Manne nach, wenn
ſie ſich einmal von ihm hatten beleidigen laſſen.
Sie rechneten es ihm als eine Miſſetat zu und
bewahrten es auf in einem feinen und guten
Herzen, ſtatt die Gelegenheit wahrzunehmen
zum Unterkriegen ihrer alten Empfindlichkeit
und zu ihr zu ſagen: Wohlbekomm's!
Es iſt ein eigen Ding um die Gabe der
Satire. Sie kann, mit Vorſicht angewandt,
zum Heil und Nutzen werden, wo ſonſt nichts
mehr verfängt; ſie kann aber auch abſtoßend
wirken auf ſolche, deren allzuzarte Leier nicht
auf dieſen Ton geſtimmt iſt. Der Herr Pfarrer
wußte es. Er hat oft ein wohl zugeſpitztes
Pfeilchen, gewiß nicht ohne Kampf, unver⸗

merkt wieder in den Köcher gelegt. Aber wer

kann allezeit wiſſen, was im Menſchen iſt?
Wenn nur alle Dinge in der Liebe geſchehen,
Reden und Schweigen, in der Liebe, die
nicht falſch iſt. Dieſe Liebe trieb ihn.
Ich habe ihn näher kennen gelernt. Wie
hatte er die Leute ſo lieb! Er ging mit mir
über Feld. „Ach, wie viele Menſchen wohnen
da in den Häuſern und Hütten, deren Fenſter⸗
ſcheiben eben ſo helle leuchten in der Abend⸗
ſonne! Wie viele Menſchen, die Gott nicht
kennen, die nicht glücklich ſind. Wie viele
Kinder Gottes ſind wohl unter ihnen! Doch
noch manche in dieſer Gegend, gottlob! O,
daß nur bald mehr würden!“ Sein Sinnen
und Wünſchen ging nicht auf dies und das
für die Leute, ging auf's Zentrum.
Und das Zentrum war ihm Chriſtus. Er
war ein Chriſtenmenſch. All ſein Reden zielte
auf Ihn, den ſeine Seele liebte. Wie geſchickt
wußte er die Gelegenheit im Geſpräch zu er⸗
greifen, um ein Wort von Ihm anzubringen.
Einſt beſuchte er den Vortrag eines weit⸗
hergereiſten, berühmten Sozialiſtenführers.
Da wurde alles Unſichtbare, Göttliche lächer⸗
lich gemacht, Chriſtus in den Kot gezogen.
Am Schluſſe ſteht unſer Herr Pfarrer auf:
„Man hat mir meinen beſten Freund belei⸗
digt!“ ſpricht er. „Das kann ich nicht hin⸗
gehen laſſen.“ Und nun entſtrömten ſeinem
Munde unter lautloſer Stille Worte des auf⸗
richtigſten, dankbarſten Lobes für ſeinen gött⸗
lichen Freund, den er ſo gut aus Erfahrung
kannte. Wo Jeſus gerühmt wurde in Geſell⸗

ſchaften, Verſammlungen, da ward ihm wohl,

und dankbar drückte er auch dem geringſten
Bruder, der ein Zeugnis für den Heiland
abgelegt hatte, die Hand.
Aus dem Überfluß des Herzens heraus
ſprach er. Jeſus war ſein Freund. Mit ihm
ging er um. Er hat ihn zu ſich reden laſſen
in ſeinem Wort. Darin kannte er ſich aus.
Doch nicht als ein intereſſantes Forſchungs⸗
objekt nur ſah er's an. Durch tauſend Klam⸗
mern war's bei ihm mit dem Leben verbunden.
So nahm denn in ſeinen Predigten und Bibel⸗
ſtunden alles Leben an und greifbare, kon⸗
krete Geſtalt.
Und er wiederum hatte ſtets ſo viel, ſo viel
mit ſeinem Gott und Heiland zu reden,
zu reden über ſich ſelbſt und zu reden über
andere, zu ſeufzen nicht wider ſie, ſondern
für ſie. Sein kleines Notizbuch war ſein
ſteter Gebetsrodel, der ihn überallhin be⸗
gleitete. Auf den Schultern und auf dem
Herzen trug er als ein treuer Hoherprieſter
ſeine zwölf Stämme. Ein fremder Herr trat
ein; es war ein früherer Zögling, der nach
jahrzehntelanger Abweſenheit aus Amerika
zum Beſuche gekommen war. Der Herr
Pfarrer kannte ihn ſogleich; hatte er doch
ſeinen Namen regelmäßig von Zeit zu Zeit
vorgenommen und ſich dabei deſſen Träger
vor Gott vergegenwärtigt. Ein einſtiger
Schüler tat einen böſen Fall. Der Herr
Pfarrer beugte ſich tief darob: „Ich habe zu
wenig für ihn gebetet!“ Und doch, oft erſt
gegen Mitternacht hörte man ihn in ſeiner
Kammer vom Knien aufſtehen.
Jeſus war ſein Freund. Der Umgang mit
ihm war ihm Lebensbedingung, ihm ſüßes
Bedürfnis. Sage mir, mit wem du umgehſt,
ſo ſage ich dir, wer du biſt! Ein ſolcher Um⸗
gang, wie innerlich und verborgen er ſich der
Hauptſache nach abſpielt, kann nicht ohne ſicht⸗
bare Wirkung bleiben. Die verborgenen
Wurzeln trieben offenbar Früchte.
Es gibt Menſchen, in deren Nähe einem ſo
wohl wird. Zu ihnen gehörte der Herr Pfarrer.
Freilich, wer dem guten Geiſte, der ihn trieb,
der von ihm ausſtrahlte, widerſtrebte, dem
konnte es in ſeiner Umgebung recht un⸗
behaglich zu Mute werden.
Jeſus machte ſeinen Knecht milden Ur⸗
teils, demütigen Herzens, fröhlichen Gemütes.


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/gute_bote_1913/0073