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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/gute_bote_1921/0038
icch werde erſcheinen.
ſtöten will als

Die Behörden der Kirche verkaufen

ſtatt.
alles für Geld. Man muß ein Ende machen
mit dem Betrug der Ablaßprediger, mit
all den öffentlichen Anſtößen und der
Sittenloſigkeit der Prieſterſchaft“.

Bereits am 19. März traf
„Zweifeln Sie nicht daran,
Wenn man mich
Feind des Reiches, ſo tue
man es. Mit Gottes Hilfe werde ich weder
fliehen noch Gottes Wort verleugnen.“
So ſchrieb er einem Freund. Und dem
Herzog Friedrich: „Ich bin bereit, in aller
Deßmut die römiſche Kirche zu ehren und
nichts über ſie zu ſetzen, es ſei im Himmel
oder auf Erden, als Gott und ſein Wort.
Was in meinen Schriften mir als falſch
nachgewieſen wird, werde ich abſchwören.
Sie insgeſamt abſchwören, das tue ich
nicht. Die Schrift und ihre Verfaſſer
kommen heute wieder zu Ehren. Man
fragt nicht mehr was geſagt iſt, ſondern
warum es geſagt iſt. Meine Abſchwörung
aller Artikel wäre ein Spott auf die
Kirche ſelbſt.“ — Am Dienstag der Kar⸗
woche überbrachte ihm der Kaiſerliche
Herold, Gaspar Sturm, die Vorladung
des Kaiſers. Am 2. April reiſte er von
Wittenberg ab.
Den Zug eröffneten der Herold und
deſſen Diener. Luther nahm Platz neben
ſeinen Begleitern, dem Auguſtinerbruder
Johann Petzenſteiner und Amsdorf, in
einem von einer Schutzdecke überſpannten
Wagen. Auch ſeine Feinde, z. B. Cochläus,
geben zu, daß ſeine Reiſe einem Triumph⸗
zuge glich. In Leipzig boten ihm die
Stadtbehörden den Ehrenwein. In Naum⸗
burg nahm ihn der Bürgermeiſter in ſein
Haus auf zur Herberge. In Weimar
und in andern Städten las er an den
Häuſermauern den Vernichtungsbefehl ge⸗
gen ſeine Schriften. Man ſuchte ihn ein⸗
zuſchüchtern. Der Herold frug ihn: Herr
Doktor, wollen Sie weiter fahren? Gewiß,
antwortete Luther, wiewohl es gegen des
Kaiſers Willen iſt, das gegen mich ge⸗
ſchleuderte Interdikt überall anzuſchlagen.
In Erfurt, deſſen Univerſität ihn zu
ihren Schülern einſt zählte, empfing man

Antwort ein.

——

Luthers

Teufelsaugen ringsum und ſprach:

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ihn mit hoher Freude. Bürger, Volk,
Studenten, beſonders die Hochſchullehrer,
waren erſchienen, von Berittenen begleitet.
In Proſa und Poeſie wurde er beſungen.
Sonntag den 7.
Kanzel und predigte über Joh. 22, 19⸗23
(Jeſu Erſcheinung unter den Jüngern).
Die Predigt wurde nachgeſchrieben und
gedruckt. Eoban Heß vergleicht ſeine Be⸗
redſamkeit derjenigen des Demoſthenes
und des Apoſtels Paulus: „Wenn er vom

Glauben, von der Nichtigkeit aller menſch⸗

lichen Werke und von dem Himmelsweg
ſprach, der ſeit Jahrhunderten verſchloſſen
iſt, ſchmolzen die Herzen wie der Schnee
in der Frühlingsſonne.“
Die Freunde zitterten um Luthers
Leben. Auf der Ebernburg, wo Sickingen
wachte, waren Hutten und Martin Bucer
geneigt des Kaiſerlichen Beichtvaters
Glapio Ratſchläge ernſt zu nehmen. Er
meinte, „Luthers Verdienſte um Schrift
und Kirche ſeien ſo groß, daß ſein Unter⸗
gang verhängnisvoll wäre. Man müſſe
ihn deshalb von Worms fern halten.“
Luther hielt dieſe Redensarten für ſchlaue
Winkelzüge. „Wenn Glapio mir etwas zu
ſagen hat, ſo kann er's in Worms tun.
Ich werde hingehen, und wären dort ſo
viele Teufel wie Ziegel auf den Dächern.
Wenn Huß verbrannt worden iſt, die
Wahrheit kann es nicht werden.“
Dienstag, den 13. April, gegen zehn
Uhr morgens, landete er in Worms. Er
ſaß da, in ſeiner Mönchskutte, auf offenem
Wagen. Edelleute, Ritter, berittene Stu⸗
denten empfingen ihn. „Der große Ketzer
hält ſeinen Einzug mit mehr denn hundert
Pferden“, meinte der Legat Aleander.
Als der Domturmwächter die Glocken zog,

um die Ankunft des Zuges zu melden,

ſtürzte das Volk auf die Straße, um ihn
zu ſehen. Bald waren einige Tauſend
Menſchen beiſammen. Der Empfang war

großartiger als beim Einzug des Kaiſers.

Er ging zur Herberge im Hauſe der Malteſer

Ritter, nahe dem Hauſe, wo der Kurfürſt

wohnte. “ Als er aus. dem Wagen ſtieg,
ſchreibt der Legat, blickte er mit ſeinen

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