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ruhr reizen.

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himmliſchen Vater. Daru

Worte bei, um die Gemeingefährlichkeit

Luther in ſo ſanftem Ton und faſt ton⸗

X

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in lateiniſcher, dann in deutſcher Sprache
„Martin Luther, des Kaiſers hohe und
unüberwindliche Majeſtät hat dich, auf
den Rat der Staaten des heiligen rö⸗
miſchen Reiches, vor ſeinen Thron be⸗
rufen, um dich über folgende zwei Punkte
zu befragen: Zunächſt, ſind dieſe Bücher
von dir verfaßt? Damit deutete von Eck
auf eine ſtattliche Zahl auf einer Bank
liegender Bände. Sodann, willſt du dieſe
Bücher und deren Inhalt widerrufen,
oder beharrſt du bei den hier niederge⸗
legten Anſichten?“ Dann fügte er einige

dieſer Lehren darzutun, ſie könnten das
Volk zur Unzufriedenheit und zum Auf⸗

Luther wollte eben antworten, als
Hieronimus Schurf ihm zuvorkam und ſagte:
Ich beantrage, daß die Titel dieſer Bücher
verleſen werden. So geſchah es. Neben
den Kontroversſchriften waren auch ſolche
rein erbaulichen Inhalts, wie der Kom⸗
mentar zu den Pſalmen, die Erklärung
des Vater⸗Unſers, u. a. m. Aleander hatte
ſie gemiſcht.
Luther ergriff das Wort und antwortete:
„Was die erſte Frage angeht, ſo erkenne
ich an, daß die genannten Bücher von
mir ſind. Ich leugne ſie nicht. Die zweite
Frage betreffend, ob ich alle verteidigen
oder widerrufen will, da es ſich um eine
Frage des Glaubens und der Seelen⸗
ſeligkeit, d. h. des Wortes Gottes, alſo
der höchſten Sache auf Erden und im
Himmel handelt, ſo wäre es unklug von
mir, wenn ich ohne Nachdenken antworten
würde. Ich käme in Gefahr, weniger zu
behaupten als die Sache fordert, oder
mehr als die Wahrheit gebietet. So
könnte ich unter des Herrn Spruch fallen:
Wer mich vor den Menſchen verleugnet,
den werde ich verleugnen vor meinem
bitte ich Eure

Kaiſerliche Majeſtät ehrerbietigſt, mir Zeit
zum Nachdenken zu geben, damit ich die
Fragen beantworten könne ohne Schaden
gegen Gottes Wort noch Gefahr für das
Heil meiner Seele.“ Dieſe Bitte äußerte

W


4 .
4

loſer Stimme, daß jemand bemerkte:
„Er ſchien ſehr geängſtet und wie außer ſich“.
Der Kaiſer und die Räte, nach kurzer
Beſprechung, gewährten ihm ſeinen Wunſch.
Eck ſprach: „Martin Luther, obgleich du
durch Kaiſermandat hätteſt wiſſen können,
daß du hierher berufen biſt, und du deshalb
keinen Aufſchub zu haben verdienſt, will
dir Kaiſerliche Majeſtät dennoch einen
Tag zum Bedenken geben. Morgen, um
dieſelbe Stunde, haſt du wieder zu er⸗
ſcheinen und eine mündliche Antwort zu
geben.“ Die beſcheidene Haltung des
Angeklagten fiel allſeits auf. „Dieſer
Mann wird mich nicht zum Ketzer machen,
ſprach Karl, es iſt nicht möglich, daß er
dieſe Bücher geſchrieben hat.“ Viele
ſeiner Freunde waren der Anſicht, daß
um die Reformation zu retten, Luther
einen Teil ſeiner Aufſtellungen wider⸗
rufen ſollte. Er dachte nicht daran. Er
war entſchloſſen, keine Silbe zu wider⸗
rufen. Seine Briefe bezeugen es. Was
er aber tat, er ſtieg in die Tiefe ſeines
Gewiſſens. Die hohen Herrſchaften ſchüch⸗
terten ihn nicht ein. Sein an ihm unge⸗
wohntes, ruhiges Auftreten war nicht
Angſt vor den Menſchen, ſondern Furcht
vor Gott. Erſchütternd iſt eines ſeiner
letzten Gebete vor dem großen Tage.
So haben wenige ſeit Jakobs Zeiten um
Licht, Gnade und Kraft gerungen. Es
ſchließt alſo: „Mein Gott, wo biſt du?
Komm, komm, ich bin bereit mein Leben
zu laſſen, wie ein Lamm. Dieſe Sache
iſt gerecht, es iſt deine, ich will mich von
Dir nicht trennen in Ewigkeit. Die Welt
kann mein Gewiſſen nicht zwingen, wäre
ſie auch voller Teuſel. Und wenn mein
Leib, Dein Werk, in Stücke zerfallen ſoll,
meine Seele gehört Dir, iſt Dein ewiglich.
Amen, o Gott, hilf mir, Amen.“
betete er jeden Abend, auf den Knieen
liegend.
Donnerstag, den 18. April, war die
entſcheidende Stunde. Wieder mußte er
lange warten. Die Herren hatten wichtige
Staatsgeſchäfte abzuwickeln. Das für ſie
Unwichtige kam zum Schluß. Es war
aber Gottes Sache!

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