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unnd wie der in den „Guten Boten“
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Karl V. verpflichtete ſich darin, alle Feinde
des päpſtlichen Stuhles zu bekämpfen.
Wer noch daran zweifeln wollte, daß
der Kurfürſt, der Luther wie einen Brand
aus dem Feuer rettete, die chriſtliche
Kirche ſelbſt ſamt ihren hohen religiöſen
und ſittlichen Aufgaben in der Welt
rettete, der braucht nur den Brief zu leſen,
den der Kaiſer an die Stände als krönenden
Reichstagsabſchied gerichtet hat. Es ſtehen
darin folgende Sätze: „Der Mönch
Martin Luther hat ſich wie ein Wahn⸗
ſinniger auf die heilige Kirche geſtürzt und
wollte ſie durch ſeine ketzeriſchen Schriften
erſticken. Er hat in ſchmachvoller Weiſe
das Ehegebot befleckt, die Laien aufge⸗
fordert, ihre Hände im Blut der Prieſter
zu waſchen, zum Aufruhr, zum Krieg,
zum Mord, zur Brandſtiftung gehetzt und
ſo dem Ruin des Glaubens vorgearbeitet.
Dieſer Menſch, der eigentlich kein Menſch,
ſondern Satan ſelbſt in Menſchengeſtalt
iſt, hat in einem Schmutzhaufen die ſchand⸗
barſten Ketzereien geſammelt, die die Ge⸗
ſchichte kennt und neue hinzugefügt.
Darum haben wir ihn von unſerm Ange⸗
ſicht gejagt, fordern alle frommen Menſchen
auf, ihn als einen Narren und Teufels⸗
beſeſſenen anzuſehen und, nach Ablauf
ſeines Schutzbriefes, wird man Mittel
zu machen. Wir verbieten daher jeder⸗
mann, beſagten Luther zu herbergen, zu
jedwede Hilfe ihm zu leiſten. Wir be⸗
fehlen, daß man ihn ergreife und ſofort
uns ausliefere, um dann den Lohn dieſer
heiligen Tat zu empfangen. Seine An⸗
hänger aber habt ihr niederzuſchlagen und
ihre Güter zu beſchlagnahmen. Seine
gifterfüllten Bücher müßt ihr vernichten,
verbrennen. Wer gegen Papſt oder Kirche
ſich vergeht, er ſei Schriftſteller, Drucker,
Künſtler, Kaufmann, dem wird Leib und
Gut genommen und wird als Landesfeind
behandelt. Wer gegen ſolche Kaiſerliche
Verordnung ſich auflehnt, wird des Landes
verwieſen. Jeder handle hiernach.“
Nach ſolchen ſelbſtherrlichen, jedes ſelb⸗
ſtändige Denken aufhebenden und jede
perſönliche Freiheit in die Zwangsjacke
des kraſſeſten Deſpotismus ſchnürenden
Verordnungen, die das ganze Syſtem
grell beleuchten, muß man dem kühnen
Reformator danken, der in der Nacht
mittelalterlicher Rückſtändigkeit die Prorten
aufgeriſſen hat, durch die wir in den hellen,
lieben, ſchönen Gottestag hineinſehen und
hineingehen. Über der Pforte ſteht die
Zahl 1521 und darunter: „Jeſus Chriſtus,
geſtern, heute und derſelbe in Ewigkeit!“
finden, um ſeinen Wutanfällen ein Ende
(Hebr. 13, 8.) H.
uten Morgen, Vetter Michel,
wie geht es denn alleweil bei
Ihnen? — Dank der Nachfrage,
es geht, wie es bei uns Alten
gehen kann, muß halt oft daheim
bleiben und vertreib mir die Zeit mit
leſen; da habe ich letzthin in der Stadt
den „Guten Boten“ für 1921 gekauft und
finde da einen langen Artikel über einen
Herrn C. H. Goehrs, der vor nicht langer
Zeit geſtorben iſt; den Mann kenne ich
nicht, könnt Ihr mir ſagen, wer er war
kommt? — Was? Ihr kennt den Mann
C. 5. Goehrs †.
nicht? Da ſieht man, daß ihr weit von
Straßburg wohnt, denn da kannte ihn
jedes Kind. — Was Ihr da ſagt; nun bin
ich aber neugierig etwas Näheres über
ihn zu erfahren; wenn Ihr Zeit habt,
ſo ſetzt Euch ein bißchen neben mich und
erzählt mir, was Ihr von dem Mann
wißt. — Recht gern, denn ich habe ihn
gut gekannt und er war mir ein lieber
Freund, und ich kann es noch nicht recht
glauben, daß er nicht mehr in unſerer
Mitte weilt; ſoll ich gleich anfangen? —
Wenn es Euch recht iſt, aber wollt Ihr
nicht zuerſt etwas nehmen, Ihr werdet
verbergen, zu ſpeiſen, zu tränken und
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