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halten.“
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der Maler, aus deſſen Werkſtatt ſo manche
Marien⸗ und Heiligenbilder hervorge⸗
gangen waren, auf Luthers Seite ge⸗
treten. Er hat ſpäterhin das feine Porträt
des Münſterpredigers Kaſpar Hedio ge⸗
zeichnet und war kurz vor ſeinem Tode
in dem ganz proteſtantiſch gewordenen
Straßburg Ratsherr; er hat auch ſonſt
Beweiſe genug geliefert, daß er ſich
treulich zu dem wieder entdeckten Evange⸗
lium bekannte. Dem leidenſchaftlichen
Mieiſter, von dem erzählt wird, daß er
ſtets ein grünes Kleid trug, weshalb er
Baldung „Grien“ genannt wurde, hatte
es Luther angetan.
Unrd ſo wie ihm, iſt es vielen anderen
Straßburger Bürgern ergangen. Mit
welchem Eifer wurden Luthers Schriften
geleſen! Die Buchdrucker wußten, warum
ſie dieſe ſo fleißig nachdruckten; ſie konnten
ſtets auf einen guten Abſatz rechnen.
Sie ſollen deshalb mit Ehren genannt
werden, nicht bloß als treffliche Geſchäfts⸗
leute, ſondern als Förderer der Refor⸗
mation: Johann Knobloch, der die von
ihm gedruckten Schriften mit trefflichen
Holzſchnitten verſah, Martin Flach der
Jüngere, der unter anderm 1520 Luthers
Sermon vom Wucher herausgab, Johann
Prüß und Johann Schott und nicht zu
vergeſſen Wolfgang Köpfel. Allein von
1519 bis 1521 zählt man 20 Lutherdrucke.
Freilich, dieſe Buchdrucker hatten auch
ihre liebe Not. Denn zählte Luther in
Straßburg noch ſo viele Freunde, es
fehlte nicht an Gegnern. Und einer der
verbiſſenſten und hämiſchſten war der
Straßburger Barfüßermönch Thomas
Murner. Seine Streitſchriften gegen
die Lutheriſchen ſind voller Gift und
Galle. Das kann man ſchon aus den
Titeln erſehen. Da heißt die eine: „Ein
neu Lied von dem Untergang des chriſt⸗
lichen Glaubens in Bruder Veiten Ton“,
eine andere: „Von Dr Martin Luthers
Lehren und Predigten, daß ſie arg wenig
ſind und nicht gänzlich glaubwürdig zu
Die ſcharfen Antworten von
Seiten der Getreuen blieben nicht aus.
Der Federkrieg drohte immer mehr Er⸗
bitterung und Zwietracht in der Bürger⸗
ſchaft zu erzeugen. Da ließ der Rat die
Buchdruckereien kontrollieren und ſchärfte
ihren Inhabern noch einmal ein altes
Mandat ein, wonach es ihnen verboten
war, etwas gegen den Papſt, den römiſchen
König, andere Fürſten und Nachbarn zu
drucken. Am 15. März 1521 geſtattete
er Murner, ſeine Selbſtverteidigung an
zwölf Orten anſchlagen zu laſſen. Es
wurde ihm jedoch bedeutet, „endlich einmal
ſtille zu ſtehen, und weiterhin meine
Herren unbemühet zu laſſen; denn ſie be⸗
dünke, daß es ſeinethalb in ihrer Stadt
mehr denn genug ſei.“ Nach wie vor
aber wurden Schmähſchriften weiter ge⸗
druckt und verkauft, und der Rat konnte
dem Übel nicht ſteuern, da er über die
Maßnahmen nicht einig war, die gegen
die namenloſen Verfaſſer ergriffen werden
ſollten.
In Verlegenheit kam der Rat, als
am 26. Mai ihm das Wormſer Edikt zur
öffentlichen Bekanntgabe überſandt worden
war. War doch in dieſem Edikt Luther
nicht bloß in die Reichsacht erklärt worden,
ſondern jede von ihm oder von ſeinen
Anhängern kommende Schrift war ver⸗
boten und allen Obrigkeiten befohlen,
nichts drucken oder verkaufen zu laſſen,
als was zuvor der Ortsbiſchof oder deſſen
Verordnete gebilligt hätten. Der Rat
nahm ſich bis zum Oktober Zeit mit der
Veröffentlichung des Edikts; einſtweilen
unterſagte er den Buchhändlern den Ver⸗
kauf der Schriften Luthers und ſeiner
Freunde. Der Rechtsgelehrte Nikolaus
Gerbel war darüber unglücklich. Er
ſchrieb ſofort an Bucer, der zu der Zeit
in Speier weilte, er ſolle ihm alles ſchicken,
was er von Luther auftreiben könnte.
Nach einigen Monaten waren übrigens
die Preſſen auch wieder, ungeachtet des
Verbots, für Luther tätig.
Wie aber das Volk in Straßburg über
Luther ſelbſt und ſein Verſchwinden nach
dem Reichstag von Worms dachte, darüber
gibt uns eine Stelle in einem Briefe
Auskunft, den der genannte Gerbel in
ſeiner Beſorgnis an Luther richtete. „Wir
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