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Die Klassificierung von Harrisse konnte freilich nur
vor der oberflächlichsten Betrachtung Stand halten. Da
der deutsche Text überhaupt keinen Adressaten für den
Brief namhaft macht, so blieb zunächst allerdings unklar,
ob ihm der Sanchez- oder der Santangel-Brief zur Vorlage
gedient hatte« Allein schon die Datierung : «Geben an fünff-
zehensten tag des Hornungs ym. xciij. iare» hätte jeden
stutzig machen müssen, der die alten deutschen Monatsnamen
kennt. Harrisse sieht darin nur die falsche Interpretation
des pridie idus Martii des lateinischen Originals,
und es ist ihm desshalb entgangen, dass die deutsche
Uebersetzung das richtige Datum des spanischen Originals,
xv de febrero, wiederherstellt, welches Gosco willkürlich
unterdrückt, und durch das Datum der — in der deutschen
Ausgabe als für die kosmographischen Interessen
bedeutungslos bei Seite gelassenen — Nachschrift ersetzt
hat.
Schon diese äusseren Umstände beweisen zunächst,
dass es keine Erfindung des deutschen Uebersetzers war,
wenn er behauptete, neben der lateinischen Vorlage, in der
wir zweifellos die Redaction des Leandro di Cosco anzunehmen
haben, noch eine andere Quelle benutzt zu haben.
Da er dem Brief sein richtiges Datum, den i5. Februar,
wieder zurückgiebt, so war diese zweite Vorlage unbedingt
eine Version des Santangel-Briefes, denn das dürfen wir
doch kaum glauben, dass ihm die einzige erst 1892 handschriftlich
entdeckte italienische Uebersetzung vorgelegen
habe, welche, wie die spanischen Drucke, beide Daten
aufweist, aber trotzdem den Gabriel Sanchez als Adressaten
vermuthen lässt. Diese italienische Uebersetzung ist
zwar insofern äusserst interessant und werthvoll, als sie
uns wahrscheinlich den Schlüssel dazu bietet, wie Leandro
di Cosco dazu gekommen ist, den Brief als an Gabriel
Sanchez gerichtet zu betrachten. Es stellt sich nämlich
durch dieselbe heraus, dass Giovanni (richtiger Juan)
Bruder des tesorero Gabriel Sanchez damals in Florenz
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