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wenn von denselben Inseln schreiben die Meister gleich
wie er es schreibt, dass er's erfahren hab».
Diese interessante Anmerkung scheint mir zu beweisen,
dass der Uebersetzer ein Mann des Gelehrtenstandes war.
Der Druck aber war, das können wir mit Sicherheit behaupten
, keineswegs nur für die gelehrten Kreise bestimmt.
Bartholomäus Kistler ist kein Drucker, der etwa wie seine
Zeit- und Zunftgenossen Johann Reinhart von Grüningen
und Martin Flach umfängliche Werke für den Gebrauch
der gelehrten Theologen und Juristen durch den Druck
zugänglich machte. Er hat vielmehr mit seinem bescheidenen
typographischen Materiale im wesentlichen nur
Flugblätter und Traktätchen von geringem Umfang gedruckt
, die bestimmt waren, im Kreise des Volkes zu
zirkulieren. Aus diesem Grunde pflegte er auch seine
Druckerzeugnisse fast immer mit einem bezüglichen Holzschnitte
zu schmücken, der dem Gelehrten manchmal wohl
nur ein Lächeln entlockt haben würde, der aber meist
recht wohl geeignet war, das Auge des Laien lebhafter
anzuziehen, als es ein kahler Titel vermocht haben würde.
Heutzutage sind es nun gerade diese Holzschnitte, die uns
den Mann interessant machen, und den Ehrenplatz, den
er als Drucker nicht zu erlangen vermocht hat, hat er sich
durch die bildlichen Darstellungen gesichert in der Geschichte
der älteren deutschen Bücher-Illustration.
Auch unseren Druck hat er mit einem Holzschnitte
ausgestattet, der nicht nur das Titelblatt ziert, sondern
sich auch auf der Rückseite des Schlussblattes noch einmal
wiederholt. Muther scheint anzunehmen, dass diese
Darstellung ausdrücklich für unseren Kolumbusbrief entworfen
ist, und meint, sie stelle Christus dar, der dem
Könige von Spanien erscheine, um ihn zur Bekehrung der
Heiden aufzufordern. Nun ist es ja richtig, dass der Kolumbusbrief
in Gedanken dieser Art ausklingt. Trotzdem
vermag ich nicht, mich der Muther'schen Deutung anzu-
schliessen. Es scheint vielmehr, dass Kistler hier einen
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