http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/heer1855-1/0010
4
Einleitung.
6. Fe 11 er Ka 1 k; ist ganz weiss, mit feinkörnigem Bruch, durch Brennen wird er aber dunkelfarbig
, wie der magere und halbmagere Kalk des untern Bruches. Enthält hier und da Pflanzen, als Liquidambar
, Daphnogene polymorpha, Podocarpium und Ulmus parvifolia A. Br.; in diesem Kalke wurde eine
Schildkröte und Palaeomeryx eminens H. v. M. gefunden.
7. Sandiger Kalkmergel.
8. Ein weisses Kalk blättchen, welches stellenweise viele Fische enthält, daneben einzelne Blätter
von Liquidambar.
9. Die Insektenschicht; sie ist durchschnittlich nur etwa ein Zoll mächtig, stellenweise auch ganz
sich verlierend und somit nur nesterweise auftretend. Sie ist von gelblichbrauner oder grauer, an den Enden
meist blaugrauer Farbe und löst sich, angefeuchtet dem Frost ausgesetzt, in viele papierdünne Blätter auf.
Bei einem 10 Linien dicken Stück habe ich 120 Lamellen abgezählt, daher durchschnittlich jede Lamelle
nur Vi2 Linie Dicke hat. Auf diesen äusserst zartkörnigen und dünnen Blättern finden sich die schönsten
Insekten zum Theil von wunderbar guter Erhaltung und, obwohl sehr sparsam, auch Pflanzen (Liquidambar,
Daphnogene, Glyptostrobus u. a. m.). Die Insekten kommen vereinzelt vor; höchst selten liegen zwei oder
drei beisammen.
10. Indigoblauer, fetter Mergel; übereinstimmend mit Nro. 21 des oberen Bruches.
11. Gelber Mergel; vorzüglich gezeichnet zu Fertigung von Ziegeln. Seine Mächtigkeit ist bis auf
80 Fuss bekannt.
Auf der südlichen Seite verlieren sich diese sämmtlichen Gebilde und dort folgt unter dem gelben Mergel
der Molassensand, was unsere oben ausgesprochene Ansicht rechtfertigt, dass die Oeningergebilde in
einer Mulde der oberen Süsswassermolasse liegen.
Oeningen schliesst daher das oberste und jüngste Glied der vorliegenden Flora ein, Ralligen und die
verwandten Localitäten dagegen das unterste und älteste*
Diese unterste Lage unserer Molasse hat eine beträchtliche Zahl von Pflanzen geliefert, welche mit solchen
übereinstimmen, die in Sotzka, in Untersteiermark und Haering im Tyrol beobachtet wurden, welche Localitäten
von Unger und Ettingshausen, mit Sa gor in Krain, zur eocenen Formation gebracht werden. Allein es sind in
neuerer Zeit, namentlich im Waadtiande, viele Sotzka-Pflanzen in den obern, ohne Zweifel miocenen, Schichten der
untern Süsswassermolasse gefunden worden, so dass wir diese untersten Schichten nicht von den obern trennen
dürfen, wie denn die Flora von Radoboj auch für jene östlichen Gegenden diesen Uebergang vermittelt
. Je vollständiger uns die Flora der Molasse bekannt wird, desto mehr füllt sich die anfängliche
Kluft aus. Ich halte daher dafür, dass alle diese Localitäten nur als unterste Glieder der miocenen Formation
zu betrachten seien, In welcher das Moorland noch grosstentheils fehlte, das eben erst im Laufe der
Jahrtausende sich gebildet hat Daher schliessen diese untersten Schichten mehr Pflanzen trockener und
dürrer Localitäten, die oberen dagegen solche sumpfiger und morastiger Niederungen ein, und je nach diesen
verschiedenen localen Verhältnissen muss auch die Flora ihre Iocalen Eigentümlichkeiten erhalten haben.
Eine vergleichende Zusammenstellung der Flora der verschiedenen Localitäten und der verschiedenen Glieder
unserer Molasse wird indessen besser auf den Schluss des Werkes verspart, wo wir dann alle Arten in
Bildern vor uns haben werden und somit unsere Schlüsse auf Allen zugängliche Thatsachen gründen können.
Doch mag es zur leichteren örientirung zweckdienlich sein unseren specielien Untersuchungen, wenigstens
in einigen grossen Zügen, ein Bild der Flora der drei Hauptstockwerke unserer Molasse, vorauszuschicken.
1. Untere Süsswassermolasse.
Obwohl schon damals zwischen dem Jura und dem Alpengebirg eine weite Thalmulde sich ausbreitete,
muss sie doch ein ganz anderes Aussehen gehabt haben, als das jetzige Flachland der Schweiz. Denn es
haben überall die vielen aus Sandstein bestehenden Hügelketten gefehlt (so der hohe Rhonen, Albis, Zürich-
herg u. a. m/h die jetzt in so grosser Abwechslung unsere Niederungen durchziehen. Aber auch die Alpen
und der Jura waren noch nicht in der jetzigen Gestalt und Ausdehnung vorhanden, da ihre letzte grosse
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/heer1855-1/0010