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K. 12.
Es deckt ſich endlich noch aus dem bisher ge—
fagten auf, warum dieſe Wiſſenſchaft innere An⸗
ſchauung haben muß, und ohne dieſelbe nicht
entſtehen konnte. Wir kennen naͤmlich die Summe
der Theilchen eines Dinges nicht, und darum
eben ſo wenig die objektive Groͤße; ſondern ſind
nur im Stande ſie nach dem Geſichte uͤberhaupt
zu ſchaͤtzen und anzuſchlagen, zu ſagen A iſt
groͤßer als B, kleiner als C, u. ſ. w. Auf dem
Geſichte beruhet demnach hauptſaͤchlich beym voll⸗
kommenen Menſchen dasjenige, was wir von
Groͤße erkennen, inſoferne ſie an Gegenſtaͤnden
angetroffen wird, und ohne daſſelbe waͤre die
beylaͤuſige Schaͤtzung ſelten moͤglich. Wenn nun
ohne einen Gegenſtand vorhanden zu haben, Etwas
uͤber die Groͤße eines gedenkbaren Dinges aus⸗
gemacht werden ſoll, ſo muß auch innerlich Etwas
ſeyn, was uns dieſe ſummariſche Schaͤtzung moͤg⸗
lich macht. Da es aͤußerlich der Sinn des Ge⸗
ſichtes iſt, ſo muß derſelbe innerlich durch Etwas
analoges erſetzt werden. Dieſes iſt die Darſtel⸗
lung durch die Einbildungskraft, vermittelſt der
die innere * Buſchammg geſchieht.
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