http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/hug1797a/0031
(31
wenn ihr euern Bruder in Liebe ſehet. Zwo Ermah⸗
nungen, welche der Hoheit des Chriſtenthumes voͤllig
angemeſſen ſind.
Die Ebioniten, die gleichfalls ein hebraͤiſches Evan⸗
gelium beſaßen, hatten nach dem Berichte des Hierony⸗
mus, der in Palaͤſtina, der hebraͤiſchen Sprache maͤch⸗—
tig, mit den Nazoraͤern in Verbindung und Umgange
war, und es auch mit dieſen ſeyn konnte, kein anderes
als das nazoraͤiſche, welches beyde Theile gemeinſchaft⸗
lich gebrauchten 7). Dadurch waͤren die Fragen, in
Ruͤckſicht auf das Alter, den Werth und Innhalt des
ebionaͤiſchen Buches, erledigt, wenn nicht Epiphanius,
ein Palaͤſtiner, unter Juden erzogen und in ihrer,
Sprache unterrichtet, uns Auszuͤge aus dem Evangelium
der Ebioniten aufſtellte, welche uns mißtrauiſch gegen
den Bericht des Hieronymus machen. Unter andern
wenigen Bruchſtuͤcken hat er die Geſchichte der Taufe
Jeſu aus ihm ausgehoben Haereſ. XXX, welche der
lateiniſche Kirchenvater aus dem nazoraͤiſchen Buche in
ſeine Commentare uͤber Jeſaja IV. 12. eingeſchaltet hat.
Die Erzehlung von beyden Aufſuͤtzen iſt ſo ganz ver⸗
ſchieden und divergirend, daß man darinn nicht ein⸗
mal die Spur einer ehemaligen Aehnlichkeit wahrnimmt,
wie wir hier ſelbſt ſehen koͤnnen.
*) In Evangelio, quo utuntur Nazareni & Ebionitae, quod
nuper in grecum de hebræo Sermone transtulimus. Comment.
in Matth. XII. 13.
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/hug1797a/0031