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§. 10.
Das Evangelium des Matthaͤus, welches in unſern
Haͤnden, und nach dem Zeugniſſe der verſchiedenſten und
entfernteſten Religionspartheyen aus den erſten Zeiten des
Chriſtenthumes dem Innhalte nach ihm als Verfaſſer an⸗
gehoͤrig iſt, wie die allgemeine Einleitung ausgewieſen
hat, dieſes Evangelium iſt urſpruͤnglich griechiſch ge⸗
ſchrieben. Denn die Stellen, welche aus dem alten
Teſtamente angefuͤhrt ſind, ſind in ihrer griechiſchen Ein⸗
kleidung auf eine ſolche Art behandelt, daß man die
damit getroffenen Verfuͤgungen dem Verfaſſer, nicht aber
einem Ueberſetzer beyzumeſſen hat.
Ueberhaupt und im Ganzen iſt bey dieſen Eitaten
die alexandriniſche Ueberſetzung angewandt und wöoͤrtlich be⸗
folgt. Es ſtand aber dem Urheber des griechiſchen Textes
des Matthaͤus auch der hebraͤiſche des A. T T. zu Gebote,
den⸗er gerne zu Rathe zog.
Wo es keine Noth erfoderte, ſondern nur die Deli⸗
kateſſe, um hie und da einen Ausdruck dem Vorwurfe
genauer anzupaſſen, verließ er die Siebenzig und gab
ſeinen Stellen eine eigene und gluͤckliche Wendung in
Abſicht auf die Endzwecke des Buches. Zum Beyſpiele:
Jeſaja XLII. 1. ff. hinderte ihn nichts, die Stelle, wie
ſie in der LXX war, zu gebrauchen: allein die Worte:
&d aααον οροοα Oον εια, welche zwar das
v pinn yw aͤngſtlich gaben, waren demjenigen,
von dem der griechiſche Ausdruck abhieng, nicht be⸗
ſtimmt und paſſend genug, das Bild des beſcheidenen
Weiſen, wie es in Jeſu erſchien, auszuzeichnen. Er
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