Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., L 547
Hug, Johann L.
Einleitung in die Bücher des neuen Testaments: 1. Heft
Basel
Seite: 131
(PDF, 40 MB)
Bibliographische Information
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Freiburg und der Oberrhein

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(131 Y

bisher den Menſchen unbekannt blieb, weil er ſich durch
keine Schoͤpfung und keine Werke kund gethan hat, ihnen
zu erkennen gegeben.
Dieſer Chriſt, als immaterielle Subſtanz, erhabnern
Urſprunges, e ſuperioribus Chriſtus, war als Geiſt
reinerer Art, gemaͤß ſeines Weſens, der materiellen Af⸗
fektionen, des Leidens und Schmerzens nicht faͤhig; er
trennte ſich darum im Anfange des Leidens wieder von
Jeſu, uͤberließ ihn den Quaalen und dem Tode, und
ſchwang ſich zum Ewigen auf, woher er gekommen
war. Cerinthus unterſchied den Jeſum und den Chriſt,
den Jeſum und den Sohn Gottes, als Weſen verſchie⸗
dener Natur und Wuͤrde voneinander.
Aehnlich lehrten die Nikolaiten vom hoͤchſten Gott
und ſeinen Verhaͤltniſſen zur Welt, und einem niedrigern
Geiſte, welcher Weltſchoͤpfer iſt. In den ſubalternen
Geiſterklaſſen nannten ſie vorzuͤglich den Eingebohrnen,
Neovoyere, deſſen Daſeyn aber einen Anfang hat, und
ſodann den Xo6, welcher ein unmittelbarer Abkoͤmm⸗
ling dieſes Eingebohrnen iſt. Was ſie weiter von ihnen
fuͤr Vorſtellungen hatten, verſchweigt die Geſchichte.
Der Chriſt gehoͤrt in die Reihe der von Gott ent⸗
ſproſſenen Weſen; Jeſus aber iſt ein Sohn des Welt⸗
ſchoͤpfers, mit dem ſich der Chriſt in der Taufe verei⸗
nigte, und den er im Leiden verließ *).

*) Nach einigen Spuren, die aber nicht ſo ſcharf gezeichnet
find, daß ſie fuͤr voͤllig beſtimmend angeſehen werden koͤnnen,
duͤrſte wohl auch auf ſolche Lehrer geſchloſſen werden, die
Chriſtus einen materiellen Leib abſprachen, und nur einen
ſcheinbaren und ein ſcheinbares Leiden zug⸗ eſtanden auf Do⸗

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