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ein ordentlicher Verkehr statt haben konnte, in den Zeiten der ältesten Völker-
sagen, hatte Inachos und Phoroneys ganze Heerhaufen aegyptischer oder liby-
scher Auswanderer, die eine ungewisse Heimath, irrend über den Wellen,
aufsuchten, am argolischen Gestade abgesetzt. Nachher verstärkte Danaos die
Ansiedelung zu Argos; Kekrops landete in Attika, und auch Kadmos kam mit
einem Geschwader auswandernder Phönikier aus aegyptisch Libyen, wo sie frü-
her Unterkommen gesucht hatten, in Böotien an, und lehrte die Jonier, die
damals noch diese Gegenden bewohnten, verschiedene Künste des gebildeten
Lebens. In die Inseln hatten sich von der asiatischen Küste her Phönikier ein-
gedrungen, die mit den Griechen zusammenschmolzen: wenigst haben wir keine
Spur, daſs sie sich daraus entfernt haben, oder vertrieben worden seyen. Un-
termengt mit den griechischen Stämmen, in den Inseln und am ſesten Lande,
wohnte das unruhige herumschweifende Geschlecht der Pelasger, ungewisser
Abkunft, die aber wegen ihren vielen Wanderungen zu Wasser und Lande an
Geschicklichkeiten und Bildung die rohen Hellenen scheinen übertroffen zu
haben, mit denen sie in einigen Gegenden nach und nach zusammenwuchsen:
viele derselben verlohren sich in andere Länder, oder giengen unter ihren
Abentheuren zu Grunde. Die Karier, ein Volk von mancherley Kunstfertig-
keiten, wurden mit Gewalt aus den Inseln ausgejagt.
Aus der Mischung so verschiedener und ungleichartiger Völkerstämme hat
sich sogar, wie es scheint, als Erfolg der gennetischen Zusammenspielung die
glückliche Natur des griechischen Gechlechtes, worinn sie alle Menschen über-
trafen, hervorgethan. Sie selbst sind mit den Germanen gemeinschaftlicher Ab-
kunft, *) wie es die mehr als zufſällige Uebereinstimmung der Sprache im Ein-
zelnen und im Ganzen; der gröſsern und kleinern Redetheile; ihrer Zusam-
menordnung und Fügung, und des Sprachbaues überhaupt zeigt: und sind
beym thrakischen Bospor aus dem höhern Asien nach Europa übergangen;
*g Wie die deutsche und persische Sprache in ihren Elementen auf einen gemein-
schaftlichen Ursprung zurückkehren, was man zur Zeit als ausgemacht annehmen
kann, so verhält es sich auch mit der griechischen. Zu dieser Vergleichung kön-
nen aber nur die Grundanlage der Sprache selbst, und solche Worte zugelassen
werden, welche Völker in der grössten Einfalt und Bildungslosigkeit nicht verman-
geln können. Was, indessen sie Jahrtausende geschieden, in entfernte Gegenden
fortgetrieben, ihre eigenen Pfade wandelten, neues hinzugekommen ist, kann bey
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