Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., F 3612,a
Hug, Johann L.
Untersuchungen über den Mythos der berühmtern Völker der alten Welt vorzüglich der Griechen: dessen Entstehen, Veränderungen und Innhalt
Freiburg im Breisgau, 1812
Seite: 125
(PDF, 63 MB)
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Odem den Sterblichen reicht; die als Geberin des Regens und Windecernährerin
alles hervorbringt, und über die Fluth in schwebender Bewegung hinrauscht. 4¹)
Allein, frägt wan, wenn sie eine pelasgische Gottheit ist, wie kam sie so-
dann zu den Karthaginensern, und wurde in Libyen verehrt? Es ist, was uns
die Dichter sagen, nicht einmal zweifelhaft, daſs zie diese Stadt sogar dem
reizenden Samos vorzog. 2) Allerdings; aber wenn die Pelasger selbst diese
Göttin anfänglich von den Phönikern bekommen hätten? Das ist auch der Fall:
sie nannten ihre Juno, so wird es wenigst von den tyrrhenischen Pelasgern ge-
sagt, Kypra, oder kyprische Göttin. 3) Sie hatten sie folglich aus Kypros damals
bekommen, als die Fabel des Adonis noch nicht bekannt war, und über alle
Mondesgestalten nur noch eine einzige Gottheit Sorge trug. Daher hatte Juno
auch den Morgen- und Abendstern zum Geleite, weil sie ursprünglich die
Kypria ist, welcher er angehörte. Die Juno von Karthago war aber dieselbe;
sie war Astarte, weiche zu Byblos und Kypros sanft und huldlächelnd, zu
Karthago, nach der Sinnesart des Volkes, einen herrischen und strengen Cha-
rakter angenommen hat. Ein Kirchenvater, der noch von den Nachkommen der
Karthaginenser und ihren libyschen Unterthanen gläubige Scharen um seinen
Lehrstuhl versammelt sah, und zuweilen auch, obschon seltener, als wir wün-
schen möchten, über ihre Sprache Bemerkungen macht, versichert uns dieses.
Es ist kein Bedenken, sagt er, daſs Juno von dem punischen Volke Astarte
genannt wird. 4) Hier haben wir sie also wieder die phönikische Götsin des
Mondes, die nachher zu Byblos und auf Kypros mit Adonis vermählt wurde,
und von Tyros mit den Flüchtlingen an das alfrikanische Ufer wanderte, wo sie
zu Karthago, dessen Geschichte so viele Beweise eines düstern Blutes liefert, ihr
freundliches Lächeln ablegte, und sich nach dem Geiste des Volkes betrug, dem

sie hier gebot.

1) Orph. hym. XV.
2) Virgil. Aen. I. 12. 16. Horat. II. od. I. 25.

3) Strabo, L. V. p. 166. Casaub. * Heav sutwos Kug απονe.
4) Augustin. Quaest, in Judices (Jud. II. 13.) L. VII. qu. XVI. Solet hic dici Baal
nomen esse apud gentes illarum partium Jovis. Astarte autem Junonis, quod et
lingua punica putatur ostendere. Nam Baal punice videtur dicere dominum.
Juno autem sine ulla dubitatione ab illis Astarte vocatur. Opp. T. III. Tari. I, P. 899.

ed. S. Maur. Selden. de diis Syris. Syntag- II. c. 2. p. 184.


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