http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/hug1812a/0199
liche Mythologie machte. ¹) Vom phrygischen Ida, scheint es, wurde sie
sodann auch an den kretischen versetzt, wo sie, nachdem sie vorhin die Ver-
traute des Phanes, eines andern Jupiters war, den schönen Beruf übernahm,
den heranwachsenden Jupiter in Kreta zu erziehen. 2)
In ihrer ältern Beschäftigung sehen wir sie bey Plato, als die Heroldinn
eines Gesetzes, nach dem alles im beständigen Umlauſe unausweichlich dem
Zwecke der Einheit entgegen wandelt, welchem nichts zu widerstreben ver-
mag: 3) auch bey Pindaros als die Göttin einer unbestechlichen Vorbestimmung,
welche Siege schenket oder Kränze entzieht. 4) Diese Vorstellung konnte sich,
da sie zu weit über den gemeinen Gesichtskreis hinweg war, in der Volksfabel
nicht behaupten, und wie die Göttin in dieselbe hinausgetragen wurde, wurde
sie mit Nemesis, der Vergelterin, verglichen, und mit ihr verwechselt, wovon
wir das erste Beyspiel bey Antimachos, dem Kolophonier, haben, 5) und wobey
es fortan in den folgenden Zeiten verblieb. 6)
Ich weiſs nicht, aus welcher Ursache man ihr die Kymbalen, auch das
Tympanon in die Hände gab; ob vielleicht von einem alten Gebrauche, dem
Volke die Gesetze kund zu thun. 7) Der Maſsstab, den sie hat, gebührt ihr
aus einem bekannten Grunde; nach den Griechen war dieser Stab von Erz
oder mit Erz beschlagen, den auch Dike zur Züchtigung der Verbrecher
führt. 3) „
1) Strabo. L. XIII. p. 403 — 5.
2) Apollon. Rh. L. III. 133. Callimachus, Demetrius Sceps. apud Schol. in h. I. Apol-
Ion. Apollodor. L. I. c. 1. n. 3.
3) Plato, in Phaedr. p. 324. T. X. Bip.
4) Pindar. Nem. X. 52. f.
5) Strabo. L. XIII. p. 405. Harpocration, V. Aèeæcruz. Schellenberg. Antimach. Coloph.
reliquiae. fragm. XXIII. p. 71. Die Stelle bey Euripides, Rhes. 354. ist unentschieden.
6) Schol. in Pind. Pyth. VIII. 74. Lucian. de mercede conduct. n. 6. Ammian. Mare.
L. XIV. c. 11. p. 42. Bip. Theaetet. L. IV. Anthol. T. XII. epig. LXXI. p. 442. de
Bosch. Zonar. Lex. Ad&εαrsε. P. 43. L
7) Orph. Fragm. XXVI. p. 389. 90. Gess. Siebenkees, Anecd. gr. p. 64.
8) xaura oxrreæ. Hermias, in Orph. frag. p. 406. Siebenkees. schol. in Plat. I. c. Was
die erreæ vorbilden sollen, sehen wir aus den Worten: rav voenae ra ireæ s ᷑aurꝑ xari
Xοοο α. à. Vergl. Euripid. Hippol. 1177. 7 rgoτναοσ Anας sτποια auτο oꝝrgov.
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/hug1812a/0199