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Hebräer zum Volksthum und im heroiſchen Alter mythiſche
Einſtreuungen in die Geſchichte eingefloſſen ſeyen, und wie
man weiter behaupten will, ſogar in die Geſchichte nach Sa—
muel, mag auf ſich beruhen; es mag um ſo mehr beruhen,
weil es keine Folge für die evangeliſche Geſchichte hat. Der
Schluß: es traf ſich ſo gegen ſechs Jahrhunderte vor Chri⸗
ſtus, alſo muß es auch in ſeinen Tagen ſo geweſen ſeyn,
wäre ein logiſcher Sprung über mehr als ein halbes Jahr⸗
tauſend hinweg, weit großartiger als die mythiſchen Luftſchritte
Neptuns, der vom Scheitel der ſamotraciſchen Höhen in drei
Schritten und einem vierten beim Lager der Griechen vor
Troja ſtand.
Ich habe, wie man zu ſagen pflegt, vom Ei der Leda an⸗
gefangen; allein ich mußte den Grundriß des menſchlichen
Bildungsganges vorausſtellen, das Wort Mythus, ſeine Be⸗
deutung und ſeine Zeit erörtern; dann die Uebergänge von
einem Zeitalter ins andere, und die Fortſchritte jedes derſel⸗
ben erſichtlich machen; zuerſt das Alter der Heroen, dann
den Anfang der Geſchichte in Geſang und Bardenlied, nach⸗
dem die erſten merkwürdigen Dinge geſchehen waren; ſohin
den Aufſchwung zur eigentlichen Geſchichtſchreibung, die ihr
Verdienſt darin erkannte, mit Erforſchung und Treue den
Zeitgenoſſen zu hinterbringen, was die Menſchen vor ihnen
erlebt und gethan haben. Damit konnte ich hoffen, die Ver⸗
mengung von Zeitaltern und Zuſtänden zu verhüten, und,
von einer klaren Weltanſchauung ausgehend, mit einiger Zu⸗
verſicht in die übernommene Aufgabe einzutreten.
§. 4. Der Herr Verfaſſer hat ſeinem Werke eine Einlei⸗
tung §. 1 — 10 vorangeſchickt, welche ihm den Weg zu ſei⸗
ner eigenen Erklärungsweiſe der evangeliſchen Geſchichte an⸗
bahnen ſollte; er durchläuft nämlich die verſchiedenen ältern
Verſuche, die religiöſen Ueberlieferungen und Denkmäler zu
deuten, wie es die Zuſtände der jedesmaligen Volksbildung
verlangten. Denſelben zu Folge ſpricht auch er das Recht
an, nachdem er der dermaligen Bildung den Horoskop ge—
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