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hat, ſo iſt es im Zuſammenhang mit dieſer Richtung ſeiner
Thätigkeit, wenn wir annehmen, er habe keine Gelegenheit
unbeachtet gelaſſen, ſich über den Zuſtand der Bevölkerung
der den unterwürfigen Fürſten zugeſtandenen Länder eine rich⸗
tige und genaue Kenntniß zu verſchaffen. Es kann uns daher
nicht befremdend erſcheinen, wenn er, wie ſich ihm ein Anlaß
dazu anbot, Volkszählungen in dem Gebiete der untergebenen
Könige und Dynaſten anordnete, unter welche bekanntlich
Herodes gehörte. Die aονπρπαιοι welcher Lukas II. 1. ge⸗
denkt, hat alſo an und für ſich nichts Unglaubwürdiges.
Die größte Bedenklichkeit, die ſich ihr entgegenſtellt, iſt das
Stillſchweigen des Joſephus, als wenn er nichts hätte über⸗
ſehen oder übergehen kännen. Jedoch ſind auch ihm zu—
fällig Aeußerungen entfallen, die auf eine Zählung hindeuten.
Vorläufig liegt uns nun ob, den Anlaß zu ermitteln, welcher
eine ſolche Maßnehmung herbeizuführen geeignet war.
Herodes hatte mehrmals ein Teſtament errichtet zu Gun—
ſten dieſes oder jenes ſeiner Söhne, und dann es wieder
vernichtet. Endlich brachte ihn das Gefühl ſeines Alters
und die Vorliebe für den heilloſeſten ſeiner Söhne, der ſich
in die däterliche Huld hineingeheuchelt und hineingelogen
hatte, zum Entſchluß eiwas Entſcheidendes zu thun: er ver—
faßte ein Teſtament, welches dieſem Böſewicht, genannt An—
tipater, die Nachfolge im Königthum zuerkannte. Das Te⸗
ſtament dem Kaiſer zur Beſtätigung zu überreichen, ſchickte
er eben den ſaubern Antipater mit großen Geldmitteln und
königliche Ausſtattung nach Rom ¹). Es ſtand alſo die nahe
Erledigung der Königswürde durch Hinfälligkeit des Vaters
in Ausſicht. Jetzt war die Gelegenheit gekommen, eine Volks⸗
zählung anzuordnen „das rationarium imperii zu vervoll⸗—
ſtändigen, um näher zu beſtimmen, mit welchen Streitkräften
der König von Paläſtina, wenn Krieg im Orient ausbräche,
dem Kaiſer gewärtig ſeyn müſſe.
. ²) Josepb. Ant. XVII. c. 3 n. 2. Bell. jud. L. I. e. 29 n. 2.
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