Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., L 9646,m
Hug, Johann L.
Gutachten über das Leben Jesu, kritisch bearbeitet von Dr. David Friedrich Strauß (1. Band)
1840
Seite: 130
(PDF, 45 MB)
Bibliographische Information
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und ſah nicht undeutlich das Ende ſeiner Wirkſamkeit und
ſeines Lebens vor: bald ſollte er nicht mehr der Herold des
Meſſias ſeyn. Die Sorge lag ihm daher nahe: wer wird
ſtatt meiner das Volk für ihn auffordern, und zum Glauben
an ihn einweihen; ſoll etwa noch Elias kommen oder Jere—
mias; oder wie wird ſich der Fortgang dieſes Ereigniſſes nach
mir geſtalten? Solche Betrachtungen ſtiegen in ihm auf,
der ſein ganzes Leben der Herbeiführung dieſer großen Be—
gebenheit gewidmet hatte. Das war es nun, was ihn trieb,
eine Botſchaft abzuſenden, und den Heranziehenden zu fra—
gen, wer er ſey? L
§. 36. Dem Vorgeben des Wolfenbüttler Fragmentiſten
Jeſu und Johannes haben ſich abſichtlich angeſtellt, als ken⸗
nen ſie ſich nicht, um mit dem Scheine der Unbefangenheit
ſich wechſelſeitig anzupreiſen, kamen zwei Stellen zu ſtatten;
die eine Joh. I. 31, 33, wo der Täufer verſichert: ich kannte
ihn nicht; die andere Matth. III. 13, 14, wo der Täufer
den Herrn wie einen Bekannten anredet.
Die erſte Verſicherung entfiel dem Täufer, als ſich Jeſu
zur Taufe bei ihm einſtellte; ich, ſagte er, kannte ihn nicht,
oder vielmehr, ich hatte ihn nicht gekannt; aber der mich zu
taufen geſendet hat, ſprach er zu mir; auf welchen du den
Geiſt herabſteigen ſiehſt, u. ſ. w., das habe ich geſehen, und
bezeugt, daß dieſer der Sohn Gottes ſey. Die Worte, ich
hatte ihn nicht gekannt, können ſich auf ſeine Perſönlichkeit
beziehen oder auf ſeine Meſſiaswürde; im erſten Falle war
ihm ein Kennzeichen nöthig, und eben ſo im zweiten. Da
ihn aber Johannes bei Matthäus wie einen Bekannten be
handelt, ſo neigte man ſich zur andern Bedeutung: ich hatte
ihn nicht gekannt als Meſſias. Damit ſcheint ſich aber die
Geſchichte der Geburt des Johannes, und das zwiſchen ihm
und Jeſu damals kund gewordene Verhältniß nicht gut zu
vertragen, und ſo wird man wieder auf die erſte Bedeutung
verwieſen: ich hatte ihn nicht gekannt von Angeſicht. Wie
weit dieſer Sinn des Satzes zuläſſig ſey, hängt von der


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