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folgenden Sätzen dar: Wenn dieſe Menſchen auch für den
Augenblick von ihrer böſen Art laſſen, ſo mangelt ihnen etwas;
ſie fuhlen die Leere ihres Lebens, wünſchen das Schlechte,
welches ihnen zum Bedürfniß geworden iſt, wieder zurück,
und machen Anſtalt zu ſeiner Wiederaufnahme. Dann aber
wird das Böſe mächtiger in ihnen, als es je geweſen iſt.
Eben ſo hat Jeſu der Parabel vom reichen Mann und armen
Lazar durch aufgenommene Züge aus der Denkweiſe des Vol⸗
kes, Luk. XVI. 19 f., Handlung und Belebtheit verliehen,
ſo daß ſie ein Mal gehört von der Menge nimmermehr ver⸗
geſſen wurde. Oder könnte ſich unſer Gelehrter bereden, Jeſu
habe geglaubt, daß wir unſere Zungen in die andere Welt
mitnehmen, in der Hölle durſtig werden, und gerne Waſſer
tränken, wenn es zu haben wäre; daß fromme Verſtorbene
jenſeits von Abraham zu Tiſche geladen, im erſten Triclinium
zunächſt an ſeiner Bruſt als Ehrengäſte geſpeist werden; oder
daß die Ober- und Niederwelt mit einander Unterredungen
halte?
Jeſu Vämonen-Austreibung, einzeln betrachtet.
(H. 91. S. 27-— 47.)
§. 58. Der Gelehrte, deſſen Schrift uns beſchäftigt, hat
ſich mit geſammter Kraft auf die Erzählung von den gada—
reniſchen Beſeſſenen, Matth. VIII. 28 — 34, Mark. V. 1 — 20,
Luk. VIII. 26-40, geworfen, welche mannigfache Schwierigkeiten
darbietet, und die Exegeten jeweils geänſtiget hat. Sie lieferte
daher dem Herrn Doctor ergiebigen Stoff, Einwürfe auf
Einwürfe zu häufen, bedeutende und gehaltloſe, jene für Ge—
lehrte, dieſe für Halbgelehrte, um die gadareniſche Geſchichte
als thatſächlich unmöglich in die mythiſche Plunderkammer
einräumen zu können. Ich habe mir die Schwierigkeiten, in
die ſie verwickelt iſt, nie verborgen, verzage aber nicht an
ihrer Löſung.
Allein vorerſt muß ich dieſe Gadarener aus der Klaffe
der eigentlich Beſeſſenen ausſcheiden, und ſie nach Anleitung
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