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wohner, welche ſeine ungeheure Kraftäußerungen kannten, theilten
die gleiche Meinung mit ihm. Hiemit haben wir die langen
und breiten Zweifel S. 37—39 beſchwichtigt.
So zerrüttet durch organiſchen Ueberreitz, und daher ent⸗
ſtandener Geiſtesverwirrung beunruhigte ein Jude aus Ga⸗
dara, einer ehedem ifſraelitiſchen Stadt, nun vorherrſchend
von Heiden bewohnt, die Umgegend. Wie Jeſu dort am Ufer
ausſtieg, gieng ihm der Geiſteskranke entgegen, Matth. VIII.
28. Mark. V. 2. Luk. VIII. 27. sοε ul3 s τιν t 1e
ynv bmrnoε ννιι avunρ. J. wahrſcheinlich nicht in beſter
Abſicht; denn er war ſehr bösartig, ſo daß Niemand jenes
Weges gehen konnte. Nun ſetzet ſich die Erzählung alſo fort:
Da er Jeſu von Ferne ſah, ſprang er und warf ſich ihm
zu Füßen, und mit großer Stimme ſchreiend ſprach er; Jeſu,
du Sohn des höchſten Gottes; ich beſchwöre dich bei Gott,
mich nicht zu peinigen. Mark. V. 6, 7. Luk. VIII. 28. Hier
müſſen wir uns auf mehrere Fragen gefaßt halten. Wie
konnte er wohl Jeſu beim erſten Anblicke erkennen, und als
Sohn Gottes grüßen, da er kaum in Galiläa angekommen,
und durch die Heilung eines Ausſätzigen und des Knechtes
eines Centurio ſich bemerklich gemacht hat? Matth. VIII.
1 — 28. — Beſinnen wir uns deſſen, was wir wiſſen.
Schon der Täufer hatte am Jordan den ankommenden
und abgehenden Schaaren Jeſu als den Meſſias, und ſich
als ſeinen Vorläufer verkündet. An einem ſeiner Standorte,
zu Aenon bei Salim unfern von Schthopolis, war er ſo
nahe bei Gadara, daß der Ruf von der Verkündigung des
Predigers in der Wüſte durch Ab- und Zugehende dahin
dringen mußte, und das Geſpräch davon dem Unglück⸗
lichen zu Ohren kam. In Hinſicht auf die Zeit, in welcher
ſich Jeſu ins Gadarenergebiet überſchifft hat, iſt Markus und
Lukas nicht zu Rath gezogen worden. Matthäus, wie wir
als bekannt annehmen können, befolgt öfter eine Sachordnung,
und hat es mit der Zeitfolge weniger ſtrenge genommen. Da⸗
gegen iſt es ein eigenthümliches Verdienſt des Markus und
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