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Die wunderbare Speiſung.
(§. 100. S. 213 — 235.)
§ 67. Es iſt die Speiſung der Fünftauſend, Matth.
XIV, 13. Mark. VI, 30. Luk. IX, 10. Joh. VI, 1. und
die Speiſung der Viertauſend, Matth. XV, 32. Mark.
VIII, 1. welche hier zur Sprache kommen. Wer das beliebte
Verfahren des Herrn Doctors kennt, wird ſich zum vorhinein
weisſagen, daß beide Mahlzeiten ſich das Schickſal werden
gefallen laſſen müſſen, in eine verwandelt zu werden, die un⸗
geachtet deſſen doch Niemanden ſättigt.
Laſſen wir ihn ſelbſt reden. „Es iſt nicht nur die Suh⸗
ſtanz der Geſchichte auf beiden Seiten ganz dieſelbe: Sättigung
einer Volksmenge mit unverhältnißmäßig wenigen Nahrungs⸗
mitteln; ſondern auch die Ausmahlung der Scene iſt in den
Grundzügen ganz entſprechend: beidemale das Local eine
einſame Gegend in der Nähe des galiläiſchen Sees; beide⸗
male die Veranlaſſung des Wunders ein zu langes Ver⸗
weilen des Volks bei Jeſu; beidemale bezeugt Jeſus Luſt, die
Menge aus ſeinen eigenen Mitteln zu ſpeiſen, was die Jün⸗
ger als eine unmögliche Sache betrachten; beidemale beſtehet
der disponible Speiſevorrath in Broten und Fiſchen; beide⸗
male läßt Jeſus die Leute ſich lagern und theilt ihnen nach
geſprochenem Dankgebet durch Vermittlung ſeiner Jünger aus;
beidemale werden ſie vollkommen ſatt und es kann noch eine
unverhältnißmäßig große Menge übrig gebliebener Brocken in
Körbe geſammelt werden; endlich einmal wie das andere ſetzt
Jeſus nach vollbrachter Speiſung über den See.“
Wir geben hingegen zu bedenken. Der Erlöſer wohnte
am galiläiſchen See, weßwegen nicht nur dieſe, ſondern viele
andere Wundergeſchichten in den Umgrenzungen dieſes Seees
ſich zugetragen haben. Sie ſagen in einſamer Gegend: das
kann gar nicht anders geſchehen; denn angepflanztes Land
Hug, Gutachten. 5
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