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läßt man nicht von fünf oder viertauſend Menſchen nieder⸗
treten. Mochten noch ſo viele Volksſpeiſungen, nach Duzen⸗
den, geſchehen ſein, ſo konnten ſie nur an einem alſo be⸗—
ſchaffenen Local vorgehen. Was vielen gleichmäßig zukömmt,
kann für zwei nicht ein Beweis der Identität werden; das
würde ungefähr ſo lauten: Es begegnete mir ein Menſch,
der eine Naſe hatte, dann auch ein anderer mit einer Naſe;
ein Zeichen, daß die zwei der nemliche Menſch ſind. Und
noch dazu gleicht ſich das Local nicht: die eine der Volks⸗
ſpeiſungen gieng auf der Seite der Dekapolitanſtädte vor,
im Oſten des Sees, die andere im Weſten bei Tiberias; Joh.
VI, 23. ſollten ein paar geographiſche Meilen keinen Unter⸗
ſchied in der Oertlichkeit machen?
Beidemale die Veranlaſſung des Wunders ein
zu langes Verweilen des Volkes bei Jeſu. Auch
das muß ſo ſein und hätten ſich die Tauſende nur vorüber⸗
gehend bei Jeſu eingeſtellt, und auf einen kurzen Beſuch den
Herrn gehört, ſo würde er ihnen eben ſo wenig offene Tafel
gehalten haben, als andern, die auf ein paar Stunden ſich
bei ihm als Zuhörer eingefunden. Die Viertauſend hatten
binnen drei Tagen ihre Vorräthe aufgezehrt, ſo daß für ſie
geſorgt werden mußte. Die Fünftauſend, die aus Städten
und Orten zuſammen gelaufen find, als ſie vernahmen, der
Herr ſei von Kapernaum abgefahren, hielten ſich wenigſt einen
Tag bei ihm auf, und hatten wahrſcheinlich in der Eile, den
Herrn ſicher zu erreichen, nicht darauf gedacht, nach dem
Reiſekorb zu greifen, und ſich mit Nahrung zu verſehen. Nur
ein Knäblein hatte Nahrung auf einen Tag, fünf Gerſten⸗
brote und zwei Fiſchlein, die ihm wohl die gute Mutter
mitgegeben hatte. Joh. VI, 9.
Beidemale bezeugt Jeſu Luſt, die Menge aus
eigenen Mitteln zu ſpeiſen. Ich meine, jeder brave
Mann würde in ähnlichen Fällen, wenn ſie ſich auch hundert—
mal wiederholten, den Wunſch hegen, der Noth des Volkes zu
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