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bei Salamine und Abukir unterſcheiden ſich nach Zeit und
Oertlichkeit, nach der Maſſe der beiderſeitigen Streitkräfte,
nach ihrer Stellung, nach der ſtrategiſchen Einſicht der Füh—
rer, und der Thätigkeit und Gewandtheit der Streiter, ande⸗
rer Zufälligkeiten zu geſchweigen; denken Sie die Umſtände
hinweg, ſo untergehet die Einzelnheit in der Sphäre des
Allgemeinen, und die Thatſachen einer Art gleichen ſich aus
Mangel der Merkmale, die ſie als verſchieden bezeichnen.
Was wird wohl für die Wiſſenſchaft gewonnen durch das
bis zum Eckel wiederkehrende Gauckelſpiel, aus zweien Eines
zu machen oder aus Einem zwei und drei? Zu was ſoll
es führen als zur Bethörung gewiſſer Menſchen, die ſich
gerne dazu hergeben, oder zu beſchränkt ſind, um es zu mer⸗
ken, was man mit ihm will!
Wir wenden uns nun zu den Schwierigkeiten, mit denen
man den Inhalt unſerer Erzählungen der Unrichtigkeit zu
überführen beabſichtet. Der erſte Einwurf lautet wörtlich:
„Bei der Wiederholung deſſelben Vorfalls macht namentlich
die Frage Schwierigkeit, ob es wohl denkbar ſei, daß die
Jünger, nachdem ſie ſelbſt mitangeſehen hatten, wie Jeſus
mit wenigen Nahrungsmitteln eine große Menge zu ſpeiſen
vermochte, dennoch bei einem zweiten ähnlichen Falle jenen
erſten ſpurlos vergeſſen gehabt, und gefragt haben ſollten:
woher könnte wohl Jemand in öder Gegend ſo
Viele mit Brote ſättigen?“ — Ich kann in dieſen
Worten keine direcie Anzeige der Vergeſſanheit auf gen fr.
hern Fall finden; ſtrenge genommen ſagen ſte nur: es iſt
nicht möglich, hier auf natürlichen Wegen ſo vielen Leuten
Nahrung zu verſchaffen. Matth. XV, 33. Mark. VIII, 4.
Darin liegt der Gedanke eingewickelt: Herr, hier könnte nur
deine Wunderkraft helfen. Oder es iſt ungefähr mit ſcheuer
Ehrerbietung angedeutet, was ſie dem Herrn nicht ohne freche
Voreiligkeit rathen konnten: Meiſter thue jezt wieder, was
Du neuerlich gethan haſt!
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