Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., L 9646,m
Hug, Johann L.
Gutachten über das Leben Jesu, kritisch bearbeitet von Dr. David Friedrich Strauß (2. Band)
1844
Seite: 70
(PDF, 56 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/hug1844a/0070
— 70 —

Der naächſte Einwurf trifft den Bericht des Johannes.
„Während nach den ſynoptiſchen Berichten Jeſus die Volks⸗
menge zuerſt lange belehrt, und ihre Kranken geheilet hatte,
und erſt durch den einbrechenden Abend und die bemerkte
Verſpätung veranlaßt wurde, ſie noch zu ſpeifen: iſt bei Jo⸗
hannes, ſobald er nur die Augen aufhebt und das Volk her⸗
anziehen ſieht, Jeſu erſter Gedanke der, welchen er in der
Frage an Philippus ausſpricht: woher Brot nehmen, um
dieſe zu ſpeiſen?“ S. 227. Legen wir uns den Abſchnitt
des Johannes VI, 1. ff. unter die Augen, ſo muß es Jedem
auffallen, daß es die Parentheſe am 4Aten Verſe iſt, welche die
vorausgehenden Verſe und die nachfolgenden trennt, aber den
Zuſammenhang derſelben nicht aufhebt. Uebergehen wir dieſen
Zwiſchenſatz des auf die Zeitrechnung aufmerkſamen Schrift⸗
ſtellers, ſo ergiebt ſich daſſelbe. Nicht wo Jeſu das Volk
heranziehen ſieht; nein: nachdem der Herr zu Waſſer abge⸗
gangen, ihm eine Menge Volkes nachgeeilt iſt, und ſeine
Wunderheilungen und Zeichen geſehen hat, fand er ſich hier
wie dort veranlaßt zur Brotaustheilung; Matth. XIV, 13.
14. Luk. IX, 10. 11. nur wird von Johannes der Umſtand
angegeben, daß der Herr, als er ſich auf der Berghöhe ge⸗—
lagert hat, erſt die ganze Volksmenge überblickte. Was wei⸗
ter den Berg des Johannes betrifft, welcher dem Herrn Doctor
bedenklich vorkömmt, möge er ſich nur ein wenig bemühen,
ihn bei den Andern zu finden: es iſt der Berg, von dem
der Erlöſer herabkam, als er das Volk entließ, und den
Jüngern abzufahren gebot; dann aber wieder dahin zurück⸗
kehrte, um zu beten. Matth. XIV, 22. 23. Mark VI, 45. 46.
Warum das Volk, nachdem es geſättigt war, die Brocken
nicht mitgenommen habe? Weil die Gäſte, nachdem ſie von
der Mahlzeit aufgeſtanden, nicht auch noch den Ueberlaß
aufräumten, und zu ſich ſteckten. Bei den Griechen und
Römern beſchenkte der Herr des Gaſtmahles ſeine Freunde
Wit einigen Ueberreſten, um den Ihrigen zu Hauſe ein Ver⸗
gnügen zu machen. Von dieſer Sitte finde ich keine Anzeige


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