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ſie vorzubereiten, daß ſie Jeſu, den ſie wahrſcheinlich nicht
kannten, Folge leiſten, wenn er ein Begehren an ſie ſtellte.
Hören wir nun weiter: „Man muß es als eine beim
erſten Anblick ſich aufdringende Bedenklichkeit zugeſtehen, daß
Jeſus durch dieſes Wunder nicht, wie er ſonſt pflegte, irgend einer
Noth, einem wirklichen Bedürfniß, abhalf, ſondern nur einen
weitern Reiz zur Luſt herbeiſchaffte; nicht ſowohl hilfreich, als
vielmehr gefällig ſich erwies, mehr nur ſo zu ſagen ein Luxus—
wunder, als ein wirklich wohlthätiges verrichtete.“ S. 240.
Der erſte Zweck aller Wunder Jeſu war, was wir nie
aus den Augen zu verlieren bitten, die ihm von Gott über—
tragene Gewalt zur Gründung einer neuen Weltordnung auf
eine für Jedermann begreifliche Weiſe darzuthun. Dazu wur⸗
den aber fürs Andere Handlungen beglückender Wohlthätig⸗
keit gewählt, um Erſtaunen erregende Thaten durch die Zu⸗
gabe liebevoller Milde zu verſchönern. Der erſte Zweck wurde
hier erfüllt; aber ſtatt des andern war der Herr mehr ge—
fällig als hilfreich und vollbrachte ein Luruswunder, indem
er weitern Reiz zur Luſt herbeiſchaffte. Minder kadelſuͤchtig
könnte Jemand ſagen: er begegnet einer kränkenden Unter⸗
brechung feſtlicher Freudigkeit bei Gründung eines neuen Fa⸗
milienlebens, wovon der Beginn der menſchlichen Geſellſchaft
ausgieng, und ihr Fortbeſtand abhängt. Sodann denke man
dieſe Feier im Sinne des juͤdiſchen Volkes, in deſſen heiligen
Büchern die Freude der Braut und des Bräutigams für den
Höhepunkt menſchlicher Freunde gilt, ſo wird man in dieſem
Falle, wenn dabei auch kein Blinder ſehend, kein Kranker
geſund wird, Alles erwogen doch eine des Herrn würdige
und wohlwollende Handlung anerkennen müſſen.
Einen Antheil dieſer Geſchichte hat die Mutter. Sie be⸗
fand ſich in der Ungewißheit, ob wohl ihr Sohn eingeweiht
als Meſſias vom Täufer zurückkomme, und harrte eines Zei—
chens, welches ihr die Verſicherung deſſen gab, was ſie nur
noch aus dem Umſtande vermuthen konnte, weil er von
Jüngern begleitet erſchien. Die Befriedigung mütterlichen
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