http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/hug1844a/0105
— 105 —
taucht in der Geſchichte des Volkes eine Perſon auf, welche
dieſes Bild für ſich in Anſpruch nehmen könnte.
Jonathan im Thargum der Propheten erkläret Jeſaja
IIII. vom Meſſias, nimmt ihm aber die Schläge und Wun⸗
den ab, und deutet ſie ſämmtlich auf den Rücken der Juden
und ſeiner Feinde; aber vom Tode weiß er ihn nicht zu
ſchützen: der Meſſias ſtirbt¹). Er kann nemlich die Unab—
hängigkeit ſeines Volkes erkämpfen, wenn er auch ſterben
müßte. Das willkührliche Verfahren, einen Theil der Züge
des Bildes auf die Juden und überwundenen Könige über⸗
zutragen, zertrümmert die Einheit des Ganzen; denn augen⸗
fällig iſt es nur eine Perſon, welche zur Sühne des Ver—
gangenen leidet und ſtirbt, um Gott zu begütigen, damit er
anbrechen laſſe einen neuen Morgen beſſerer Zukunft. Das
iſt die Sitte der Propheten, dem Volke einen kommenden
Glücksſtand zu verheißen, wenn das alte Unrecht vergütet ſei.
Ein leidender und ſterbender Mefſias ſagte den Wünſchen
eines Volkes nicht zu, welches ſich unterdrückt, und in ſeiner
Religion unter den Römern gekränkt fühlte, und ſich nach
Befreiung von der Fremdherrſchaft ſehnte. Die ernſte und
traurigſte Meſſiasvorſtellung mußte daher der angenehmen und
tröſtlichen weichen; aber vertilgte ſie nicht: ſie lebt wenigſt
zum Theile noch in der Auslegung des Jonathan, und bald
werden wir von ihr noch mehrere Lebenszeichen finden.
Die Samariten erwarteten in den Zeiten des Erlöſers
den Meſſias, Joh. IV, 25. und wie es ſich gemäß des
beiderſeitigen Haſſes von ſelbſt verſtehet, nicht aus dem Volke
der Judäer. Er mußte aus dem Stamme Ephraim oder ein
Sohn Joſephs ſein. Dieſer, der Sohn Ephraim, iſt der
Meſſias, durch deſſen Hand Iſrael beſiegen wird den Gog
und ſeine Gehilfen am Ende der Tage ²). Die Gemara
.: „ρσ7ρ§n ennn n y 22) Vers 12
ſ Ru 28’ 2 vyn DNDN SrrEEE¹²)
R 2 PrD : Pseudo-Jonathan, in Exod. c. XL.
11. Man vergl. den 1. Theil des Entachtens, §. 490 S. 184.
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/hug1844a/0105