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Muth, Hand an ihn zu legen. Die Pharifäer gewahrten
eine Bewegung unter der Menge, und ſie und die Hochprie⸗
ſter ſchickten Diener, um ihn feſtzunehmen. Umſonſt; des fol⸗
genden Tages fuhr Jeſu fort, zu lehren: die Verſchiedenheit
der öffentlichen Stimmung gab ſich abermals kund, die Luſt
ſich ſeiner zu bemächtigen erneuerte ſich, ohne daß es einer
wagte; ſelbſt die Diener der Hochprieſter kamen unverrichteter
Sache zu ihren Gebietern zurück. Joh. VII. 53. Am Morgen
darauf verfügte er ſich wieder in den Tempel zu lehren, wo
ihm die Pharifäer eine Ehebrecherin zuführten, um über ſie
auszuſprechen; dann redete er zum Volke von ſeinen Abſich⸗
ten, von ſeiner Sendung, von ſeinem Vater, und verwies
der Menge das Vorhaben, ihn umzubringen. Sie hoben
Steine gegen ihn auf: Jeſu barg ſich, und verließ den Tem⸗
pel. Joh. VII. 59. Er hatte es aufs Aeußerſte kommen
laſſen an dieſem ſtürmiſchen Feſte; fand aber den rechten Au—⸗
genblick, ehe ein Stein flog, ſonſt war es um ihn geſchehen!
Das entmuthigte ihn nicht. Indem er den Tempel verließ,
traf er auf einen Menſchen, der von Gebnurt an blind war,
beſtrich ſeine Augen mit einem Teige aus Staub und Spei⸗—
chel — abermal am Sabbath. Er war ſehend geworden;
man führte ihn zu den Pharifäern; ſie verhörten ihn, er er—
zählte den Hergang; aber die Eltern getrauten ſich nicht zu
reden, da die Judäer beſchloſſen hatten, Jeden der Jeſu als
Meſſias bekennte, aus den Synagogen hinauszuſtoßen. Ihn
ſelbſt, den ſehend gewordenen, warfen ſie zum Tempel hin⸗
aus. Joh. IX. 34. Darüber entſpann ſich ein Wortwechſel
Jeſu mit den Phariſäern, worin er erklärte, daß er für ſeine
Bekenner bereit ſei das Leben hinzugeben, aber auch Macht
habe, daſſelbe wieder aufzunehmen. Matth. IX. 39. —
X. 21.
Noch ein Mal ging er nach Galilaa und dann nicht mehr.
Die Phariſäer daſelbſt waren nicht beſſer geworden: als er
einem Stummen zur Sprache verhalf, hofften ſie die freudige
Theilnahme des Volkes durch die Behauptung niederzuſchlagen,
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