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zug war ganz geeignet, die Machthaber zur bitterſten Rache
aufzuſtacheln. Nur waren die Hochprieſter, Geſetzlehrer und
Primaten mit ſich ſelbſt nicht im Klaren, wie ſie ihn, da das
Volk für ihn war, vertilgen könnten. Luk. XIX. 47, 48.
Mark. XI. 18. Jeſu ſchonte ſie um ſo weniger, und zeich—
nete ſie in der Parabel vom Weinberge mit ſcharfen Zügen
und drohender Rede, ſo daß ſie ſich ſogleich in dieſem Bilde
erkannten und ſich anſchickten, ihn zu ergreifen, wenn ſie, nicht
die Furcht vor dem Volke abgehalten hätte. Matth. XXI.
33—46. Mark. XII. 1—12. Luk. XX. 9 —19.
Sie giengen indeſſen mit dem Gedanken um, Jeſu in
eine Lage zu bringen, in welcher ihm irgend ein verfäng⸗—
liches Wort gegen den Staat entfallen möchte, um ihn der
Todes⸗Schuld anzuklagen, und dem römiſchen Gerichte zur
Beſtrafung einzuliefern. Luk. XX. 20. Sie wählten dazu die
gehäſſige Frage wegen der jährlichen Abgabe an den Kaiſer,
welche Gottes erwähltes Volk an einen Menſchen und dazu
an einen Heiden zu entrichten für eine Erpreſſung, und ſich
nur zur Tempelſteuer für verpflichtet hielt. Matth. XXII.
15 — 22. Mark. XII. 13—18. Luk. XX. 21 —26.
Sein Tod war jedenfalls beſchloſſen, ſchien aber erſt aus—
führbar, wenn die Schaaren den Weg nach Hauſe angetreten
hätten, Matth. XXVI. 5, 6. Mark. XIV. 1, 2. Luk. XXII.
1, 2. In dem ungeheuern Menſchengewühle war es ſchwer
zu ermitteln, wo er etwa Nachtruhe hielt, um ihn in der
Stille aufzugreifen. Aus dieſer Verlegenheit zog Judas die
Hochprieſter; eingedenk ihrer Aufforderung, wie Jemand den
Aufenthalt Jeſu wüßte, denſelben anzuzeigen, erbot er ſich
gegen eine Belohnung, ihnen Jeſu einzuhändigen. Er dachte
auf eine ſchickliche Gelegenheit; endlich erwählte er die Nacht
nach der Feier des Oſtermahles, wahrſcheinlich von der Be—
ſorgniß getrieben, Jeſu dürfte vielleicht die Abreiſe von Jeru⸗
ſalem zu beſchleunigen für gut finden. Von nun an gieng
die Geſchichte raſch zum Abſchluſſe: in der Nacht eingefangen,
in derſelben Nacht dem Gerichte der Hochprieſter vorgeſtellt,
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